Die Heimſtätte
herausgeber : Johannes Lubahn, Leiter des Heimſtättenamtes der deutſchen Beamtenſchaft, Berl.-Eithkamp, Im Eichkamp Wa
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ſt, 1 6. April 1924 " 1. Jahrg,
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Heimſtättenamt und „Abgebaute“.
Der 20. Februar war der vierte Geburts8tag de3 : Penſion umwandeln kann in eine für eine beſtimmte
geimſtättenamtes der Deutſchen Beamtenſchaft. Die : Reihe von Jahren feſtgelegte Goldrente. Die Gold»
Goikenorgan ſationen der Beamtenſchaft als Träger des | rente dient zum Erwerb und zur Bebauung von Grund
h. A. und auch der Bund Deutſcher Bodenreformer, der | eigentum zu garten» und landwirtjhaftiicher Siedlung.
nit jeiien Kräften vom erſten bis zum heutigen Tage Zur Erreichung des Zieles muß in der Regel die
deem H. A. zur Seite ſtand, haben ein Recht zu fragen, | Goldrente in ein Kapital umgewandelt werden, das er.k-
vie weit das H. A. ſeine Aufgaben gelöſt hat. weder der Siedler felbſt bejorgt. oder das aus öſſent-
Die Heimſtättentagungen des H. A. in Berlin, Köin, | ließen Wittieln bereitgeſtellt wird.
faiſerSiautern, Chemnitz, Bre8!au, Deſſau und Siutt»-.! Wir dürfen die freudige Mitteilung
gart, die ſtet& für zwei bis aht Tage angeſetzt waren, |ima<Hen, daß die Arbeiten des Heimſtätten-
ſnd wohl von mehr als 4000 Perſonen beſu<t worden, |amte8 den Erfolg hatten, daß in denleßten
die in mehr als 1000 Orten die Gedanken des H.A. |Tagen bereits erhebliHe Wittel von
weitertrugen. Der Wille zur Tat wurde namentlich |öffentlicher Hand zur Verfügung geſtellt
durc) den Vater der deutſchen Heimſtättenbewegung Dr. ':worden ſind. Die Verhandlungen über Vergebung
Adolf Damaſ<ke beebt. Die vom H.A. herau8» und Verzinſung dieſer Darlehne ſind jedoH no< nicht
gegebene Broſchüre „Praktiſche Heimſtättenarbeit“ zeigt, ; abgeſhloſſen. Jedenfalls wird bei der Bergebung das
daß allein in einem Jahr unſere Bectrauensöleut2 ent» H.A. ein Witbeſtimmungsrecht haben. Alles Nähere
jmcidend beteiligt waren bei der Neuſchaffung von 16 hierüber hoffen wir bereits in der nächſten Nummer der
Zaufend Wohnungen und 60000 Kleingärten. Davon „Heimſtätte“ mitteilen zu können.
erhielten die Beamten 4000 Wohnungen und 15000 Die B.S.B. hat auc dahin große Bedeutung, daß
Kleingärten. zur Beſchaffung des BodenZ3 zu gartenwirtſc<haft-
Die Zahlen beweiſen, daß das H. A. nicht nur den licher Tätig keit ein entſprechendes Enteignungs-
Beamten mit Rat und Tat zur Seite ſtand, ſondern re<t gegeben iſt, wo ein dringendes Bedürfnis befteht,
edem, der Hilfe ſjuc<te. So ſoll es bleiben. „und der Boden in paſſender Lage und zu angemeſſenen
Das H. A. hat jetzt ſeine Kräfte den „Abgebauten“ ; Preiſen nicht anderweitig beſHafit werden kann.
zugewandt. Aus begreiflicen Gründen haben ſeine Ar». Falls eine Enteignung erfolgt. muß die Entſchädi»
deiten einen bedeutſamen Erfolg gehabt für die „Abge-» , gung wertbeſtändig gewährt werden. AlS wertbeſtändige
dauten“ der Beamtenſchaft. : Entſchädigung gilt auch eine als Reallaſt einzutragende
Mit beſonderer Unterſtüßung des Reichsfinanzmi= tilgbare wertbeſtändige Rente.
Uſteriums erſchien am 11. Februar 1924 die Bes | Da der in Goldrente umgewandelte PenſionSteil
amtenſiedlung8verordnung (B.SB.). Preu- | auc? wertbeſtändig iſt, kann alſo au< ohne befondere
ßen folgte mit einem gleihen Geſetz am 22. Februar. ' Kapitalbeſhaffung der Boden zur gactenwirtſchaftiichen
Die Vergünſtigungen dieſes Siedlungs8geſetze8 haben alſo Siedlung gewonnen werden.
bis jetzt Gültigkeit für alle Reihs8beamten und für alle : Unſere Freunde werden dieſe Beſtimmung zu nußen
preußiſcjen Beamten einſchließlie) der Lehrer, die abge | verſtehen, weitere Cinze.heiten über die B.S.V. und über
daut worden ſind. Nach 8 16 der B.S.B. ſind ſämtliche | die Anwendung derſelben werden unten in .einem Werk-
Länder und Gemeinden ermächtigt, „entſprechende Bor«- blatt wiedergegeben werden.
Khriffen zu erlaſſen. Unſere Freunde, beſonders die ; Wir werden in der „Heimſtätte“, die als Beiblatt -
Beamtenorganiſationen der Länder und der Gemeinden, | Zur „Bodenreform“ erſcheinen wird, nicht nur über die
verden dafür ſorgen. daß alsbald au< die abgebauten ; praktiſche Anwendung der B.S.V. berichten, ſondern auch
Peamten der übrigen Länder und der Gemeinden in den über alle praktiſchen Fragen der Siedlungstätigkeit. Wir
Genuß der Siedlungsverordnung kommen. hoffen deShalb, daß die „Heimſtätte“ allen, d.e ſelbſt zur
Was bringt die B.S.V.? Heimſtätte wollen, oder die an der Löſung der 8“'m-
Jeder abgebaute Beamte erhält unter beſtimmten „ſtättenfrage mitarbeiten, ein guter Ratgeber ſein wird.
Vorausſezungen die Möglichkeit, daß er einen Teil ſeiner : Der beſte Wille dazu iſt vorhanden. Ioh. Lubahn.
Merkblatt 1 für abgebaute Beamte zur Benutzung der Beamten-Siedlungsverordnung.
i- Wer kann die Erleichterungen der V.S.V. ſie innerhalb eine Jahres nad ihrem Ausſcheiden
in Anſpruch nehmen? Grundeigentum zu garten- und landwirtſ<haftiicher Sied-
a) Dauernd in Ruheſtand verſezte Beamte, aber |lung erwerben.
nur ſofern der Grund der Penſiogzierung in der Perſo- d) BiS8 jezt nur Beamte des Reichs einſchließlich
aal«Abbauverordnung liegt (nicht alſo Altpenſionäre). | Poſt, Eiſenbahn und Reich5bank, ſowie preußiſche Be-
Vedingungen: der Antragſteller darf das 55. Lebens- | amte und Lehrer.
jahr nicht überſchritten haben (Yus8nahmen ſind zu- | 2. Welche Möglichkeiten bieten fic deu Abgebauten
ſig); er muß Gewähr für zweFentſprehende Bearbei- unter 1a und 1b?
'ung eines Grundſtü>s bieten; ſein wirtſchaftliches Fort»- a) Erwerb eines beliebigen ſchon fertigen Haufes
dmmen muß dur< die Siedlungstätigkeit gefördert wer» | mit Gar an einem beliebigen Ort.
den. (Woalche Stelle über die .AuSnahme entſcheidet d) Auf eigenem oder ſekdſt ausgewähltem Grund»
und die Eignung des Antragſtellers prüft, werden die es mit oder ohne Hilfe einer Wohnungsfürſorge-Ge-
Jusführungsbeſtimmungen angeben.) ellſMaft oder Genoſſenſchaft ein Wohnhaus zu bauen.
b) In den einſtweiligen Ruheſtand Berſetßzte (Warte- ate Grundſtüke für Gärten und zu land»
geldempfänger) ſtet8, auch wenn nicht aus Gründen de3 wirtſchaftlicher Nutzung zu erwerden.
Abbaues. d) Eigenen Grundbeſitz dur<h beſondere Aufwendun-
c) Auch die übrigen Beamten (3. B. über 355 Jahre | gen zu verbeſſern, d. h. zu intenſivieren (Intenſivgärten,
älten) ſowie die Angeſtellten und Arbeiter, die auf Meliorationen).
Grund oder infolge der Perſona'«Abbauverordnung a Nicht kommt alſo in Betracht Erwerb 'oder Erbau-
“m Dienſte ausſcheiden, genießen Erleichterungen, ſofern | ung eines Hauſes, das keine Gartenzulage hat. ebenſo