ERNTEN 79 DIMA
Dunfel und rätſelhaft war der Spruch, aber er brachte das ex-
löſende Wort: „Jahve“ und damit die Erinnerung an alles, was er
an den Vätern getan hatte in ihrer Not. Mit einem Schlage wurden
Jahves Großtaten wieder lebendig und der alte Kampfruf: „Groß iſt
Jahve, hoc< und hehr“. War das nicht ſchon da3 Rauſchen des
Sturmwindes in den Wipfeln der Bäume? „Roß und Wagen ſtürzt
er ins Meer !“ was war Siſeras Macht gegen Pharaos Heer? --
; Auf geheimen Schleichwegen eilen Boten von Stamm zu Stamm ;
jie tragen mit dem Namen „Jahve“ Mut und Zuverſicht in verzagende
Herzen. Am verabredeten Tage ſammelt ſich um Barak eine ſtattliche
Schar, zaghaft mancher noch und nicht völlig entſchloſſen, und nicht
jeder Stamm iſt Baraks Ruf gefolgt. Aber die gekommen find, hängen
mit Aug' und Ohr an Baraks Lippen, der ihnen erzählt vom Hohn
der Feinde, als ſie ihn gefangen hatten. Und dann tritt unter die Ver-
ſammelten Debora. In die Vergangenheit lenkt ſie die Gedanken der
Hörer. Unzählig, wie der Sand am Meer, zog Pharao von Ägypten
mit jeinem Heer heran, mit Roſſen, Reiſigen und Wagen, höhnend
gellte das Triumphgeſchrei -- da brüllte der Sinai dumpf auf, ſchäu-
mend wälzte ſich haushoc< das Schilfmeer daher, und -- begraben lag
Pharaos ſtolze Macht auf dem Grunde des Meeres. „Groß iſt
Jahve, ho< und hehr, Roſſe und Wagen ſtürzt er ins Meer!“ Wie,
wenn Hammer auf Erz ſchlägt, ſo haben Deboras Worte auf die
Hörer gewirkt und den Glauben der Väter geweckt. „Groß iſt Jahve!“
laut läuft der Ruf durch die erregten Reihen, Schwerter blißen und
Lanzen. Und über Debora, die eben noch daſtand in ſteinerner Ruhe,
als ſei ſie ſelbſt zum Standbild geworden, kommt die Begeiſterung.
Ihre Augen weiten ſich, dunkle Glut bricht daraus hervor; einen
Augenbli> neſteln die braunen Hände am Verſchluß des Überwurfs,
ſchwer ſinkt er zu Boden, ein paar ſchwebende Schritte und -- dann
tanzt ſie im verzückten Taumel, immer ſc<hneller wirbelnd, umflattert
vom leichten Untergewande im roten Schein des niedrigbrennenden
Lagerfeuers. Immer ſchneller, immer raſender, und von ihren Lippen
tönt mit fliegendem Atem, in abgeriſſenen Worten, ihr Schlachtruf:
„Auf! -- Barak! -- Wohlauf! -- fange = deine Fänger! -- du
=- Sohn Abinoam3!“ -- Jmmer wieder, in ſtetem Rythmus, gellend,
hinreißend. -- Da erfaßt der gleiche Taumel ihre Höhrer, entflammt
ſind Leidenſchaft und Haß durch den wilden Kriegstanz. Männer
und Weiber tanzen mit in wirbelndem Reigen: „Wohlauf! -- Barak!
- fange -- deine Fänger -- du =-- Sohn Abinoam3!“ -- Blutroter
Schein des Feuer3, ſchwarze fliegende Schatten, wirbelnde Menſchen-
leiber, blißendes Eiſen! „Groß iſt Jahve, hoch und hehr, Roß und
Reiter ſtürzt er ins Meer!“ Der alte Glaube iſt lebendig geworden.