Full text: Israelitische Vätergeschichten für die Kleinen - 1913, Teil 1 (1)

 
 
reden und wiederholten auf dieſe Weiſe die im Laufe der Er- 
zählungen gewonnenen Vorſtellungen über den Hirtenberuf. 
15. Wie Jakob heimzieht. 
So zog Jakob nun denſelben Weg zurü>, den er einſt vor 
zwanzig Jahren mit einem Bündel und ſeinem Wanderſtab daher- 
gekommen war. Immer näher kam er der Heimat, und es gingen 
ihm allerlei Gedanken durch den Sinn. 
„Wie werde ich es zu Hauſe finden? Mein Vater 1147401, 
aber wie geht e8 wohl meiner Mutter? Und --- Eſau? Ja =- 
=- Eſau! Ob er wohl ſeinen Grimm vergeſſen hat?“ -=-- Das 
hätte er gar zu gerne gewußt. 
Und er rief ein paar Männer zu ſich. 
„hr ſollt zu meinem Herrn Eſau gehen und ihm ſagen: 
dein Knecht Jakob iſt bisher bei Laban geweſen und hat Rinder, 
Ziegen und Schafe erworben. Nun kommt er heim; er ſendet dir 
die Boten zum Gruß und bittet um deine Gnade.“ =- 
Die Männer gingen davon. 
Jakob blieb zurü& und ſchlug die Zelte auf zur Nachtruhe. -- 
Überall war es ſchon dunkel und ſtill; Lea und Rahel mit ihren 
Kindern ſchliefen längſt, ebenſo auc<h die Knechte und Mägde. 
Nur ein paar Hirten ſaßen draußen ums Feuer und hatten acht 
auf die Herde; durc< die Nacht klangen ihre traurigen Lieder. 
Jakob lag in ſeinem Zelt am Feuer und konnte nicht ſchlafen. = 
Was wird Eſau den Boten ſagen? -- das kam ihm nicht aus dem 
Sinn. Alles war ihm bisher geglüdt: er hatte Rahel gewonnen, 
er war reich geworden. Aber ſein Bruder? wenn Eſau immer 
no< zornig auf ihn war, was dann? -- 
Da hörte er eilige Schritte. Die beiden Boten ſtürzten in 
ſein Zelt. 
„Herr, =- Eſau zieht dir entgegen mit vierhundert Mann!“ 
Jakob fuhr in die Höhe. 
„Was will er?“ -- 
„Wir wiſſen es nicht, Herr! Wir ſind davon geritten, ſo 
ſ<nell wir konnten, als wir ihn begrüßt hatten.“ 
Jakob ſchwieg und ſtarrte in die roten Flammen. Jett galt 
 

	        
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