Full text: Israelitische Vätergeschichten für die Kleinen - 1913, Teil 1 (1)

1 OURING EEEEL 
als ganz ſelbſtverſtändlih hingenommen, es bedarf feiner pſyc<ho- 
logiſ< vertieften Erklärung für ſie. = Jakob iſt die ſtillere, 
ſchmiegſamere Natur, er paßt zur Mutter; er iſt zu Hauſe, hilft 
ihr wohl manc<hmal bei der Arbeit; ſo hat ſie ihn natürlicherweiſe 
lieber al8 den wilden Eſau, den man tagelang im Zelt nicht ſieht. 
-- Das antike Verhältnis zwiſchen Eltern und Kindern wiederholt 
ſich in der Stellungnahme meiner Schüler und Schülerinnen: die 
Mädchen mochten den ruhigen Jakob lieber leiden, der die Schafe 
hütet und für ſeine Tiere ſorgt und ſie lieb hat, während den 
Knaben der „männliche“ Eſau beſſer gefiel; ſie wollten lieber mit 
in den Wald gehen als Schafe hüten. =- Jakobs Tierliebe aber 
wurde von allen ſympathiſch empfunden; es iſt dies einer der lieben38= 
würdigſten Züge im Bilde Jakobs, der hilft, den Kindern ſein 
ſpäteres Verhalten verſtändlich zu machen. Er iſt und bleibt immer 
der tüchtige Hirt troß aller Fehler. =- 
9. Wie Jakob ſeinen Bruder Eſau um die Erſtgeburt betrügt. 
Eines Tages ſaß Jakob wieder bei den Herden auf der Weide, 
Er freute ſich über die glatten Kühe und die wolligen Schafe und 
lachte über die munteren Sprünge der jungen Ziegen. Cin Bölein 
drängte ſich zutraulich an ihn heran und fraß ihm aus der Hand, 
al8 er ihm das Gras hinhielt. 
Da dachte er in ſeinem Sinn: „I< hüte hier nun ſchon ſo 
manches Jahr meines Vaters Herde und habe mich geſorgt, daß 
die Tiere groß und kräftig werden. Wenn mein Vater nun einmal 
ſtirbt, dann bekommt Eſau das Vieh, die Felder und Vaters ganzes 
Hab und Gut, denn er iſt der Ältere. Was ſoll aber Eſau damit? 
Er iſt ja doch den ganzen Tag im Walde auf der Jagd und kümmert 
ſich um nichts. A<, daß ich doch der Erſtgeborene wäre!“ 
Und der Gedanke kam ihm immer wieder und ließ ihn nicht 
mehr los. „Ach, wär' ich doc<h der Erſtgeborene!" -=- ſeufzte er, 
wenn er an des Vater3 Feldern vorüberging und die reifenden Halme 
ſah. Und wo er ging, und wo er ſtand, da dachte er immerzu: 
„Wär' ich doc< der Erſtgeborene!" =- 
Selbſt de8 Nachts ließ ihm der Gedanke keine Ruh. Ex konnte 
nicht ſchlafen; auf ſeinem Fell warf er ſich hin und her und ſann 
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