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(3 hat keinen Sinn, über die Stellung des
Arzte3 zum Leiter der Anſtalt Forderungen auſ-
zuſtellen. E3 gibt kein Reglement, da3 die aus
den Berſönlichkeiten ſich ergebenden Schwierig-
keiten ſorträumen oder verhindern könnte, und
es gibt feine Schwierigkeit, die nicht bei einigem
-- doch im Intereſſe der Sache liegendem --
guten Willen zwiſchen Anſtaliöarzt und dem
leitenden Pädagogen der Anſtalt zu über-
winden wäre!
Literatur. Für alle geſeßlichen Angaben kommt in
Betracht: Ärztliche Recht8- und Geſetes8kunde,
herausg. von Napmund und Dietrich (1913). Auf
dieje3 Werk beziehen ſich die Zahlen im Text, wenn nicht
ausdrüclic auf ein anderes Werk verwieſen wird.
1.) Bd. 11: S. 513. 2.) Bd. UU: S. 514. -- Für die
Ausjührung im einzelnen: Beeking: Familien- umd
Anſtaliserziehung in der Jugendfürſorge (1925). --
EC. v. Düring: Grundlagen und Grundſäße ver Heil-
pädagogit (1925). v. Düring.
Anſtaltderziehung (Fürjorgeerziehung). Die
Fürſorgeerziehung3behörden haben nach dem
Neichöjugendwohlfahrtögeſeß die Aufgabe, die
ihnen überwiejenen Minderjährigen in einer
Familie oder Anſtalt unterzubringen. Gegen
die Anſtalisöerziehung werden häufig exnſte
Bedenken erhoben, und zweiſello3 jind mit
ihr beſtimmte Gefahren und Schäden verbunden.
Man hat ſie mit InſtitutionaliSmus, Aſyliomus
bezeichnet und meint damit: Abſonderung von
der Volksgemeinſchaſt, Entfremdung vom natür-
lichen Leben, Einſeitigkeit und Enge der Ent-
willung, Gekünſteltes, Unſoziales. Jeder, der das
Anſtaltöleben kennt, weiß von dieſen Geſahren,
und jeder Anſtaltsleiter und Erzieher muß ſie be-
kämpfen und ſie zu beſeitigen over auf ein
Mindeſtmaß zu beſchränken fuchen. Kann e3 doch
nicht Auſgabe und Ziel der AnſtalisSerziehung
jein, die Minderjährigen zu „Anſtaltzmenſchen“
mit anerzogenem Drill, Schliff und äußerer
Korrektheit zu machen. (Es gilt vielmehr, ſie aus
gejellſichaftlich ſchädlichen zu leiblid) und jeelijch
geſunden, von Gemeinſinn erfüllten, für das
Leben tüchtigen Menſchen heranzubilden.
Dieſes Ziel glaubt man nur dann erreichen
und die Geſahren und Schäden nur dann
vermeiden zu können, wenn man die geſamte
Anſtaltöerziehung gemäß vem bewährten, aber
immer noc< nicht genug durchdachten und
durc<geſührten Grundjaßy Wichernſcher Exr-
ziehungsweidheit geſtaltet, nämlich nach dem
Grundjaß der ſamilienartigen Erziehung. Führt
man ihn konſequent durch, ſo gewinnt mon
immer wieder neue, moderne und praktiſche
Geſichtspunkte und macht die Anſtaltserziehung
zur LebenSserziehung.
1. (E53 ſei zunächſt auf etwas nebenſächlich und
äußerlich Erjcheinendes hingewieſen, auf die
Benennung der Anſtalten. Die in der Mitte
des vorigen Jahrhundert3 zahlreich gegründeten
Anſtalten ſür gefährdete und verwahrloſte
Knaben und Mädchen hießen meiſt „Rettungs8-
Anſtalt3arzt -- Anſtalt3erziehung (Fürjorgeerziehung)
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häuſer" und die darin untergebrachten Kinder
„Rettungshäusler". E53 läßt fich nicht verkennen,
daß fie damit als Geſunkene, von der Volks-
gemeinſchaft Abgeſonderte, Ausgeſtoßene ge-
ſtempelt und als Minderwertige bezeichnet
wurden. Familienartig iſt dieje Benennung nicht.
Mit dem Inkrafttreten der Fürſorgeerziehungs-
gejeße (jeit 1900) wurde dann auch die Be-
zeichnung „Fürſorgeerziehung3anſtalt" gebräuch-
lich. In demſelben Maße wie nun die Fürſorge-
erziehung leider als Sondermaßnahme unbeliebt
und unpopulär wurde und leider den Fürſorge-
zöglingen einen Makel anheſtete, kam auch die
Bezeichnung Fürſorgeerziehungsanſtalt in Miß-
fredit, und die Vorſtellung des Familienhaſten
verband man nicht mit ihr. Cbenjowenig kann
das von der Benennung Aſyl, Zuſlucht3haus,
Magpalenenttift gelten. Auch darin liegt mehr
etwas Abgeſondertes, Finſtere3s, Niederdrücen-
des, Büßende3 als etwa3 Familienartiges.
Endlich liegt auch) in den altteſtamentlichen,
aus dem Hebräijchen ſtammenden Namen etwas
Fremdes, weiten Volkskreiſen Unverſtändliches,
dem Familienhaſten Abgewandtes. Trägt man
dagegen die Familie mit allem, was damit zu-
ſammenhängt, in die Anſtalt hinein, jo werden
von ſelbſt Benennungen gewählt, in denen Be-
zeichnungen wie Heim, Haus, Hoſ, Garten vor-
kommen, die nach Wieje, Wald und Feld klingen,
in venen Familien oder Ortönamen ſich ſinven.
Wo man Jugendliche ſelbſt bei der Auswahl der
Benennung mitwirken ließ, kamen ſie auf Namen
wie Eichhoſ, Lindenhof, Jungborn, Wieſengrund,
Landheim. Es iſt alſo nicht ganz nebenſächlich,
wie eine Anſtalt heißt.
2. Wichtiger aber iſt e3 ſicher, daß ſich das
Familienartige weiter in der äußeren Geſtalt, im
Bau ausprägt. Dieſer wird dann den Charakter
des Heimiſchen, Heimatlichen, Gemütlichen,
Häuslichen tragen und da8 Fabrik-undGeſängni8-
mäßige vermeiden, ebenſo da3 Kajernen-, Schul-
hau38-, Armenhausmäßige. Statt des Zentral-
baues, der mehr auf Maſſenerziehung abgeſtellt
iſt, wählt man lieber den Einzelhausſtil, das
Landhau3, und wenn eine große Anſtalt gebaut
werden ſoll, wird das Erziehung3dorf, nicht die
Erziehungsanſtalt dem Bauplan zugrunde liegen.
Im Innern aber wird eine freundliche Inſchrift
den Eintretenden grüßen. Wohnräume, Schlaſ-
zimmer, Flure haben den Ton auſ3 Gemütliche,
Familienhafte geſtimmt, das beſonder3 auch in
den Möbeln, den Tiſchen und Stühlen (nicht
Bänken), in Bildern und Blumen, in Vorhängen,
und Lampen zum Ausdruck kommt, wobei aud)
Rücfficht darauf genommen wird, daß jedes Kind
ſein Stü „Eigen“ im Heim hat. Bis auſ die
Auswahl des ECßgejchirr3, das aus Steingut,
nicht aus Emaille beſteht, und auf das Sezen der
Ofen erſtreckt ſich das Familienartige. Alle3, was
nach Schablone und Maſſenware ausſieht, „nach