Full text: Abhärtung - Exzentrisch (1)

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Urſprungs iſt, jo ſcheint doch im Handeln dex 
Natur ein Zwe>analoges8 wirljam zu jein. 
Wille zur Form, Vollendungswille, wie jchon 
Ariſtoteles wußte, ſcheint im organijchen Natur- 
wirken zu herrſchen jo gut wie in der ganzen Welt. 
Literatur. Fechner: Ideen zur Schöpfung und 
Entwidlung der Organe (1873). = Wasmann: Die 
moderne Biplogie (1904). -- Dennert: Vom Sterbe- 
lager des Darwinjö3mus (1907). -- Bergſon: Schöpfe- 
rijidje Entwiädlung (1907). =- A. Bauly: Darwin und 
Lamaxrd> (1904). -- R. Franc: Der heutige Stand der 
Darwinſchen Frage (1907). = EC. Bergmann: Der 
Geiſt de3 19. Jahrhundert3 (1921). -- Derſelbe; Ein- 
führung in die Philoſophie; Bd. 1: Erkenntni8problem ; 
Bd. 2: Weltproblem (1925). Bergmann. 
Entwirkiungspſychologie |. Pjychologie. 
Enzyklopädiomus., „LnkyKklios paideia“ iſt dem 
antiken Menſchen der „Kreis der Bildung“, der bei 
jedem vollwertigen Bürger vorausgeſezßt wird. 
Die alexandrinijche Zeit umreißt die „enkyklia 
paideumata“ ſchärfer und faßt unter dieſem Be- 
griff Grammatik, Rhetorik, Dialettik, Arithmetik, 
Muſiktheorie, Geometrie und Aſtronomie ZU- 
jammen. Die Schule des Mittelalter3 übernahm | K 
dieje Wiſſensgebiete im Trivium und Quadxri- 
vium. Der wachſende Umſang des Wiſjen3 und 
die fortſchreitende Aufſpaltung der Einzel- 
wiſſenſchaften machten den Enzytlopädi8mus3 im 
Vollſinne des Wortes bald unmöglich. Wer ein 
allumfaſſende3 Wiſſen anſtrebte, mußte von 
allem etwas nehmen; gründlich erarbeiten konnte 
er nichts. Dem Wort Enzyklopädismus haftet 
daher der Nebenjinn eines oberflächlichen Aller- 
weltwiſjens an. Der Enzyklopädiomus iſt dem 
didaktiſchen Materializmus wahlverwandt; das 
Weſen der Bildung iſt ihm Übermitilung einer 
möalichſt großen Menge von Kulturgütern. 
An die Stelle de3 enzyklopädijchen Wiſjens 
irat der verwandte, aber leine3wegs iventiſche 
Begriſſ Allgemeinbildung. Veſtalozzi verſteht 
unter Allgemeinbildung die Emporbildung der 
Kräſte der Menjchennatur zu reiner Menjchen- 
weigheit. Herder möchte aus dem Lernen alles 
auSicheivben, „was nicht zu uns gehört"; er ver- 
langt, daß alle Seelen- und Leibe3kräſte in 
rechtem Verhältnis ausgebildet werden. Dieſter- 
weg verwirſt die „objektive“ und ſordert die 
„Vubjektive" Lücenloſigkeit. Herbart erſtrebt als 
Frucht des Unterrichtes das vielſeitig-gleich- 
ichwebende Intereſſe. Die genannten Päda=- 
gogen geher bei der Beſtimmung des Begriſſes 
der Bildung von der Perſon des Kinde3 aus. 
(83 ſoll nur das an Kulturgütern dargeboten 
werden, was zur allſeitigen Entfaltung der an- 
geborenen Kräſte notwendig iſt. Der Enzyklo- 
pädi3mus im engeren Sinne beſtimmt die Bil- 
dung, indem ex von dem vorhandenen Kultur- 
und Bildungsgut ausgeht; er kann daher der 
objeftive Enzyklopädi3mus genannt werden. 
Dex Begriff der Allgemeinbildung behält ſeinen 
feſten Mittelpunkt in den geiſtigen Fähigkeiten 
und Bedürfniſſen des Kinde3. Auch er verlangt 
Entwiklungslehre -- Enzyklopädis8mus3 
 
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einen „Kreis der Bildung". Darin liegt die 
Verwandtſchaft der Allgemeinbildung mit dem 
„Enzytlopädizmu8". Man kann die Allgemein- 
bildung auch ſubjektiven Enzyklopädiomus nen- 
nen. In dem Begriff des jubjektiven Enzyklo- 
pädi8mus Überwinden wir auch die Gegenſäße: 
Didaktiſcher Materiali8mus --- didaktijcher For- 
malismus, Kulturübermittlung -- Kraftent- 
faltung. Indem wir das Kulturgut erarbeiten 
und für uns zum Bildungsgut geſtalten, ent- 
wiceln und fördern wir unjere geiſtigen Kräſte. 
Je mehr Kulturgut wir innerlich wirklich ver- 
arbeiten können, um ſo weiter reichen die Kräfte 
unjeres Geiſtes, um ſo erfolgreicher werden wir 
in den Kulturprozeß eingeſchaltet. 
Neuerdings wirft man gern in verwirrender 
Weije EnzyklopädiSmus8 (im engeren Sinne) 
und Allgemeinbildung zujammen, oder man ver- 
koppelt doch die beiven Begriffe jo eng, daß ſie 
ſich gegenſeitig beeinträchtigen. Wiſſenserwerb 
und Allgemeinbildung haben heute nur geringen 
Kurswert. Sie ſind in den Schatten geſtellt 
durch Begriffe wie „ſchöpferijche Tätigkeit", 
„Ausbildung der produktiven Kräfte", „Kon- 
zentration", „Herausarbeitung der Menſchen- 
tyven“ u. a. m. In Verjammlungen und in der 
Preſſe ſind noch immer billige Erfolge im Angriſſj 
auf das Drillen und Pauken der „Lernſchule“ zu 
erzielen. Recht und Wert diejes Kampfes ſoll 
nicht geleugnet werden. E38 mußte vieles aus 
dem Wege geräumt werden, was kein Leben 
mehr in jich hatte. Aber ebenſo gewiß iſt, daß 
mancher Eiſerer bei gründlicherer geſchichtlicher 
Bildung entde>en könnte, daß er ſeine Kraft im 
Kampf mit Windmühlenflügeln vergeudet. Die 
Unterjchäzung des Wiſſens und der Allgemein- 
bildung mag begreiflich jein als Neattion auf 
jrühere Überſchäßzung. Man ſoll aber nicht von 
einem Fehler in den entgegengeſeßten fallen. 
Verantwortungs8bewußte Reformer, die die 
Wirklichkeit jehen und ſich nicht durch Schein- 
erfolge blenden laſſen wollen, dürſen nicht acht- 
lo3 an der Entleerung des geiſtigen Lebens der 
heutigen Jugend vorübergehen. Sie müſſen 
hören auſ die ſehr beachtlichen Stimmen, die 
über die „geiſtige Unterernährung“ unſerer 
Schülergenerationen klagen. Es mehren ſich 
auch wieder die Stimmen, die ein gejundes 
Wiſſen als Grundlage der Kraftentfaltung ver- 
langen. E38 wird wieder anerkannt, daß ohne 
Erwerb ſicheren Wiſſens eine höhere geiſtige 
Tätigkeit nicht möglich iſt. Für die Volksſchule 
ſtellt 3. B. Hellpach feſt, daß e8 ein Durchſchnitts- 
maß an Wijjen und Können gibt, über das jeder 
Schüler am Ende ſeines 14. Lebensjahres ge- 
bieten foll. „Die Volksſchule haftet dafür, 
daß ihre Zöglinge innerhalb 8 Jahren tunlichſt 
das Maß an Wijien und Können jich aneignen, 
das ſie beim Übertritt ins Leben und in die das 
Leben didaktiſch ergänzende Fortbildung3- und
	        
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