Full text: Abhärtung - Exzentrisch (1)

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möglich iſt, ſondern in beſchränktem Maße auch 
für den Schüler der Oberklajſen höherer Schulen, 
wenn er in den Aufbau einer Wiſſenſchaft und 
zugleich in die Grenzen des menſchlichen Wiſſens 
einen wirllichen Einblick gewinnen ſoll. 
Literatur, Aus der kaum Üüberſehbaren Fülle der 
Hier in Betracht fommenden logiſchen und erfenntnis- 
Tritiſchen Literatur ſei, nicht wegen der Sicherheit der 
Ergebniſſe, ſondern weil die Probleme der Deduktion 
und Induktion, auch mit Berückſichtigung der Geiſte3- 
wiſſenſhaflen, hier ganz in den Mittelpunkt der Unter- 
ſuchung gerücdt werden, 3. St. Mill8: „Syſtem der 
deduttiven und induktiven Logik“ (deutſch von Th. Goms 
perb) genannt, Koppelmann, 
Deſinition (Abgrenzung). Cine Definition 
im weiteſten Sinne de3 Worts iſt die Er- 
klärung der Bedeutung eines Wortes oder Zei- 
djens (3. B. des Plus- und Minuszeichens, 
der Klammern, der Ziffern uſw.). Sie be- 
ſchränkt jich alſo auf die Bedeutung, d. i. den Be- 
griff jelbſt, und darf nicht etwas heranziehen, 
iwas durch Aſjoziation oder logiſche Schlüſſe 
nachträglich mit dieſem in Verbindung gebracht 
iſt (j). Art. „Begrifſ“, Abſ. 1). 
Definitionen im engeren Sinn ſind nur bei 
den Verſtandesbegrifjen möglich, d. 1. bei ſolchen 
Wortbedeutungen, welche der Verſtand von 
anderen unterſchieden und abgegrenzt hat (ſ. Art. 
„Vegriff“, Abſ. 4). Wo die Abgrenzung der 
Bedeutungen von den Sinnen ausgeht wie bei 
ven Wahrnehmungsbegriffen, z. B. „blau“, 
„Alazie"“, „Eleſant" (ſ. Art. „Begriff“, Abſ. 8), 
da muß man ſich mit der Aufforderung helfen, 
die Sinne zu gebrauchen. Man kann zwar, wenn 
z- B. ein Kind wiſſen will, was „blau“ iſt, ihm 
antworten: „blau iſt eine Farbe“; aber wenn es 
wirklich einen Begriff davon bekommen ſoll, muß 
man es etwas Blaues ſehen laſſen, ohne im 
übrigen eine ſcharfe Abgrenzung geben zu können. 
Cinem Blindgeborenen kann man Begriffe von 
Farben, einem Taubgeborenen Begriffe von 
Klängen uſw. überhaupt nicht beibringen. Auf 
der Unentbehrlichfeit der ſinnlichen Anſchauung 
für die Erwerbung aller ſolcher Begriffe beruht 
die Bedeutung des Anſchauung3unterricht3. Eine 
Beſchreibung ohne unmittelbare Unterſtüßung 
durd) die Anjchauung iſt nur da möglich, wo der 
zu Unterrichtende mit den zur Beſchreibung ver- 
wendeten einſacheren Begriffen -- nur bei 
zuſammengeſeßten Begrifſen (f. Art. „Be- 
griff“, Abj. 5) iſt nämlich Beſchreibung möglich 
-- ſchon bekannt iſt. Aber auch dann kann ſie 
die unmittelbare Anſchauung nicht erſeßen. 
Ganz anders iſt e3 bei den Verſtande3begriffen. 
Die Bedeutung de38 Wortes Ellipſe z. B. läßt ſich 
von der des Wortes „Kreis“ oder „Parabel“ 
haarſcharf abgrenzen: ſie iſt eine Kurve, bei 
welcher der Abſtand jedes ihrer Punkte von zwei 
anderen Puntten, den Brennpunkten, immer 
Diejelbe bleibt. Freilich iſt, wenn eine ſolche 
Definition brauchbar ſein ſoll, noch durch „An- 
Deduktion und Jnduktion -- Definition 
 
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Ichauung" nachzuweiſen, daß ein derartiges Ge- 
bilde Überhaupt möglich iſt, denn „Begriffe ohne 
Anſchauung ſind leer". Aber die hier gemeinte 
Anſchauung iſt nicht die Anſchauung vermittelſt 
eines Sinne3organs, d.i. Wahrnehmung, ſondern 
die Möglichkeit der Konſtruktion. Dieſe kann 
freilich mit Hilfe von Zeichnungen oder Modellen 
leichter verſtändlich gemacht werden, weil dadurch 
das Weduchtnis eine Unterſtüßung erhält und der 
Schüler dem Gange der Erklärung beſſer folgen 
kann. Aber ſie läßt ſich auch ohne ſolche Hilfe 
nachweijen. Wenn man den Kreis definiert als 
eine Kurve, deren ſämtliche Punkte von einem 
Punkte, vem „Mittelpunkt“, gleich weit entfernt 
jind, und nun die Möglichkeit, oder wie der 
Mathematiker ſagt, die Exiſtenz entſprechender 
Gebilde nachweijen will, jo kann man den zu 
Belehrenden aufſordern, ſich eine Strecke vor- 
zuſtellen und dieſe in der Ebene um einen ihrer 
Endpunkte rotieren zu laſjen, bi8 ſie wieder in die 
urjprüngliche Lage zurückkehrt. Dann wird die 
durch den anderen Endpunkt beſchriebene Kurve 
der Definition des Kreije3 genügen. Jſt der Be- 
griſſ „Kreis“ geläufig, ſo kann man, ebenfalls 
ohne das Auge oder den Taſtſinn zu Hilfe zu 
nehmen, die Möglichkeit eines der Definition der 
Kugel entjprechenden Gebildes nachweiſen. Man 
braucht den Betreffenden nur aufzufordern, den 
Kreis bis zur Rückkehr in die urſprüngliche Lage 
um einen Durchmeſjer rotieren zu laſjen. Dann 
wird die durch die Bewegung der Krei3peripherie 
beſchriebene Fläche den Forderungen der De- 
ſinition der Kugel (Körper, bei dem ſämtliche 
Punkte der Oberfläche von einem Punkte, dem 
Mittelpunkt, gleich weit entfernt ſind) genügen, 
da bei der geſchilderten Konſtruktion die Punkte 
der entſtehenden Oberfläche ſämtlich von dem 
Mittelpunkt des Kreiſe8, welcher mit dem Mittel- 
punkt der Kugel zuſammenfällt, gleich weit ent- 
ſernt ſind. 
Man kann bei der Definition geometriſcher Be- 
griffe auch jogleich von der Konſtruktion aus- 
gehen, das Gebilde alſo vor dem geiſtigen Auge 
entjiehen lajjen (fog. „genetiſche“ Defini- 
tion), 3. B. bei der Definition der Ellipſe von der 
jog. Fadenkonſtruktion, welche leicht erkennen 
läßt, daß dann tatſächlich die Summe der Ab- 
ſtände jedes Punkte3 des entſtehenden Gebildes 
von den beipven Brennpunkien konſtant bleiben 
muß. Das braucht in dieſem Falle nicht erſt weit- 
läufig nachgewieſen zu werden. Daß aber die 
genetiſche Definition im Unterricht nicht immer 
vorzuziehen iſt, ſieht man an den ſogenannten 
Kegeljſchnitten. Daß ein ſenkrecht zur Achſe ge- 
ſührter Schnitt auf der Oberfläche des Kegels 
eine Kreislinie erzeugen muß, iſt noch leicht ein- 
zujehen. Daß aber eine andere Durchſchneidung 
des Kegel3 bei Berührung aller Mantellinien ein 
Gebilde erzeugt, welche3 der gewöhnlichen De- 
ſinition der Ellipſe genügt, iſt keine8wegs leicht 

	        
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