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menten" jehr ſtart beſtimmt von Rouſſeau, Salz-
mann, der Antike und bi8 zu einem gewiſſen
Grade auch von Peſtalozzi. Wenn wir an die Be-
vorzugung de3 Lande3 ſür den Zögling, an die
Bedeutung ver Mutter für die Erziehung, an
den Kampf gegen die Berweichlichung der
Kinder, an den Kampf gegen die ſpekulative
Methode, an die Forderung, daß der Schüler
möglichſt viel jelbſt in der Stunde produzieren
muß, bei A. denken, dann merken wir ſogleich die
jtarfe Abhängigkeit von Rouſjeau. Wenn A. auf
Der einen Seite die Jugend jich austoben laſſen
möchte, er aber vor Überſchäßung der Gym-
naſtik warnt, wenn er Fabeln für die Kinder in
weiteſtem Maße herangezogen wiſſen will, wenn
die griechijche Sprache für ihn die wichtigſte im
Unterricht iſt, dann merken wir den Einfluß
Platos. Salzmann3 Einfluß ſpüren wir, wenn
A. vor allem eine Erziehung der Erzieher ver-
langt. Beſtalozzi wirkt nach, wenn A. vor allem
auf Anjchaulichkfeit im Unterricht dringt. Doch
befindet jich A. nicht in ſklaviſcher Abhängigkeit
von den genannten Männern. In der Frage
der weiblichen Erziehung, in der Art der ſelbſt-
tätigen Unterricht3weiſe, in der Frage, wann
der Unterricht beim Kinde einzuſehen hat, in
ver Betonung gewiſſer konventioneller Formen
beſtehen große Unterſchiede zwiſchen A. und
Rouſjeau. Auch die von Plato in ſeinem
„Staat“ niedergelegten Anſchauungen billigt A.
nicht durchweg. Während Plato Mann und
Frau gleichmäßig erziehen will und von beiden
auch das gleiche verlangt, ſträubt ſich A. da-
gegen. Die körperliche Züchtigung, die Plato
billigt, wird von A. im allgemeinen verworfen.
Gegen Salzmann will er die Fabel für die Kinder
beibehalten. Peſtalozzi iſt ihm häufig viel zu
trodden. So iſt A. bei aller Abhängigkeit von den
genannten Pädagogen doh innerlich ihnen
gegenüber ſreigeblieben. Da3 Wertvolle ſeiner
Fragmente beſteht wohl darin, daß er in ihnen
ein gut Stü> eigener Erfahrung und eigenen
Erlebniſjes wiedergibt.
Literatur. Die neuere Literatur über Arndt iſt
zuſammengeſtellt bei H. Laag: Die religiöſe Entwieklung
E. M. Arndts (1926). Al3 Pädagoge wird A. behanvelt
in folgenden Schriften: H. Keſerſtein: C. M. Arndt
als Pädagog (Päd. Magazin, herau38g. von F. Mann,
41. Heft, 1894). = N. Thiele: EG. M. Arndt als Er-
zieher (Evang. Monatsblatt für deutſche Erziehung, 1893).
--“Flemens Geisler: Die pädagogiſchenAnſchauungen
ECE. M. Arndtis im Zuſammenhange mit ſeiner Zeit (ab-
gedrudt im 11. u. 12. Heft des Pädagogiſchen Archivs,
1905). -- Levinſtein: Erziehung8lehre EG. M. Arndts8
(1912). Lang.
Artikulation3baſis (phonetiſch). Bereits im
17. Jahrhundert wies der Oxforder Profeſſor
Zohn Wallis auf die Tatſache hin, daß ver-
jchiedene Völker und Landſchaften zur Laut-
bildung in der Mutterſprache ihre Sprechwerk-
zeuge gewohnheitösmäßig verſchieden
einſtellen. Die neuere Lautforſchung hat durch
Arndt, Ernſt Moritz -- Artikulation38baſis (phonetiſch)
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Ed. Siever3-Leipzig erkannt, daß der Laut-
ſtand jeder Spräche beim Sprechen durch ihre
eigenen Bildungsgeſeße beſtimmt wird: „Hat
man die richtige Lage, gewiſſermaßen die Opera-
tion3baſis8, einmal gefunden und verſteht man
diejelbe beim Wechſel verſchiedener Laute feſt-
zuhalten, jo folgen die <harakteriſtiſchen Laut-
nüancen der Sprache alle von ſelbſt. Dieſe bei
jedem Sprechakt gewohnheit8mäßig
und unbewußt eingenommene Grund-
ſtellung heißt Artikulations8baſis. Nur von ihr
aus ſind die phonetiſchen Ginzelerſcheinungen
einer Sprache oder Mundart zu verſtehen.“
Zur Artikulation3baſis im engeren Sinne
gehört Mandlage und Mundbewegungzart:
Lippenbeweglichfeit erzeugt klare, Lippenträgheit
verſcwommeneVokalfarben(franzöſiſch, dagegen
engliſch); Lippenvorſtülpung erzeugt gededkten,
Lippenanlegung grelleren Klang. Kiefervor-
jchieben verdumpft den Klang (engliſch), Kiefer-
jeſtlegen vermindert ſeine Fülle (Oſtſachſen),
ſtarker Kieſerausſchlag verhärtet ihn und ver-
grübert ven Ablauf. Vorderzungenartikulation
vermehrt, Hinterzungenärtikulation vermindert
die Klarheit. Zungenrüclage, ſog. „Knödel“,
„Floß“, erſchwert (rheiniſch), Gaumenſegel-
öffnung, Naſalieren, erleichtert die Tragfähigkeit
der Stimme (wieneriſch). Mäßiges Naſalieren
erzeugt lujterregende, als wohltklingend emp-
jundene Töne; üÜüberſtarkes Naſalieren (Teile
Nordweſtdeutſchland8) gleichwie völliges Fehlen
der Naſalität (Norvoſtdeutſchland) klingen jedem
Nichtangehörigen der beireffenden Mundart un-
luſterregend, mißtönend ins Ohr. Zur Artiky-
lationsbaſis im weiteren Sinne gehören
Bewegungs8gewohnheiten de3 Kehlkopfe3: harter
oder jachter Einſaß der Vokale, geringere oder
ſtärkere Kompreſſion der Stimmlippen mit ton-
reinem vder geräuſchgemengtem Klang, höhere
poder tieſere durchſchnittliche Sprechtonlage,
Kurvenverlauf der ſog. Sprachmelodie (Nord-
pſtdeutſchland bevorzugt härtere, Süddeutſchland
jachtere Einſäße ; Öſterreich ſpricht mit geringſter,
Nordoſtdeutſchland mit ſtärkſter Stimmlippen-
preſſung; Nordſeeküſte und Bayern haben tiefere,
Baltikum und Oſterreich höhere Durchſchnitt8-
lage; Sprachmetodie in Frankreich zacig kurven-
reich mit Steigtendenz, in Deutſchland gebunden,
ſlaßer, mit Falltendenz; Baltiſch Hoch-
hüpſjen ins Faljett, Sächſiſch allen gejamt-
deutjichen Melodiegewohnheiten gegenläufige
Kurven, ujw.). Ferner gehören dazu Gewohn-
heiten de3 Atemablaufs (beim Romanen ſließen
die Silben mit geringem zwiſchenliegenden
Drucknachlaß ineinanver über, beim Deutſchen
wird nach tiefergreiſendem Drucknachlaß be-
ſtimmt neu eingeſetzt). All dieſe im engeren oder
weiteren Sinne zur Artikulation8baſi8 einer
Sprache gehörigen Teilgewohnheiten haben, ge-
meſſen an dem anatomijch-phyſiologijchen Bau
r.