Full text: Französischer Unterricht, geschichtlicher Abriss - Handelshochschulen (3)

Gewandtheit -- Gewerbeschulen, bezonders höher organisierte 
allgemeinen Rücksichten zu Sorgen. Sie 
wird dies erreichen, wenn Sie es Sich an- 
gelegen Sein läſst, im Zöglinge durch den 
erziehenden Unterricht vielseitiges Interesse 
zu pflanzen. Die ZusammenfasSung der 
durch den Unterricht herbeigeschafften oder 
mobil gemachten geistigen Massen zu Be- 
griffen, Stimmungen, Maximen und Grund- 
Sätzen wird ebenfalls Schon aus allgemeinen 
erziehenden Rücksichten gefordert, nämlich 
aus Rücksicht auf die Sicherung des Unter- 
richtsergebnisses, und ebenso gehört die 
Anwendung dieser SysSstematiSchen Elemente 
auf gegebene Verhältnissge zur richtigen 
unterrichtlichen Verarbeitung. Auf diesSer 
Stufe der Anwendung liegt oifenbar der 
Schwerpunkt der Sämtlichen Veranstaltungen 
zur Erzielung geistiger Gewandtheit. Die 
Anwendung kann phantasierte oder wirk- 
liche Verhältnisse zur Voraussetzung haben, 
ersteres in den verschiedenen Lehrgegen- 
Ständen, die es mit Anschauung und Be- 
urteilung menschlichen Handelns zu tun 
haben, letzteres in den Berührungen, in die 
das Schulleben die Kinder unter Sich und 
mit Erwachsenen versetzt. Diese Berüh- 
rungen mit dem wirklichen Leben Sind aber, 
damit das Kind Sich unter den mannig- 
faltigsten Verhältnissgen bewegen lerne, auf 
alle Weise zu vermehren, und auch dies 
iSt ein Grund dafür, daſs die Schulerziehung 
neben den Unterrichtsveranstaltungen auch 
noch zuchtmäſsige Einrichtungen treffen 
Sollte, durch die den Zöglingen reichliche 
Gelegenheit zum Verkehr untereinander 
und mit Erwachsenen geboten würde. 
4. Gefahren. So erstrebenswert nun 
aber das Ziel ist, den Zögling mit mög- 
lichst viel geistiger Gewandtheit auszurüsten, 
SO hat doch eine allzugrolse Betonung 
Solcher Gewandtheit auch ihre Gefahren, 
namentlich wenn dieselbe zugleich mit 
körperlicher Gewandtheit verbunden ist. 
Sie gibt nämlich dem, der zie besitzt, unter 
Umständen eine Sehr bedeutende Gewalt 
über die Mensgchen, und es liegt alsdann 
die Gefahr nahe, dals er Sich, Seines Sieges 
in den meisten Fällen gewils, nach und 
nach zum immer grandioseren Egoisten 
auswächst. Solche Menschen können bei 
Konstellationen, die der Entfaltung ihrer 
Talente günstig Sind, zu den gröſsten Geiſseln 
der Menschheit werden. Diegewandten Aben- 
teurer, die Hochstapler, die internationalen 
 
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Diebe und ähnliche Existenzen gehören 
hierher; die falschen »Fürsten« wenigstens 
dann, wenn Sie wider bessere Überzeugung 
diese Rolle Spielen. Der Erzieher hat Na- 
turen, in denen derartige Anlagen Schlummern, 
in ihrem Tun und Treiben besonders Scharf 
zu beobachten und Sie vor der Gefahr, 
die ihnen gerade aus ihrer Individualität 
droht, besonders eindringlich zu warnen. 
Leipzig-Eutritzsch. 0. W. Beyer. 
Gewerbeschulen, besonders höher 
organisierte 
Früher verstand man unter Gewerbe- 
Schule jede gehobene Lehranstalt, die statt 
der alten Sprachen neuere Sprachen betrieb 
und Statt auf das Univerzgitätsstudium auf 
das praktiSche Leben vorbereitete. So hatte 
Zz. B. Berlin die Friedrichs-Werdersche und 
die LuiSsenstädtische Gewerbeschule, die jetzt 
zu den Oberrealschulen gehören. Alle Soiche 
Anstalten bezeichnet man jetzt als Regl- 
Schulen. Später verstand man unter Ge- 
werbeschulen Lehranstalten mehr technisSchen 
Charakters, die auf bestimmte Berufsarten 
vorbereiten Sollen, also einen mehr fach- 
lichen Unterricht zu geben haben. Der 
Entwicklungsgang ist in den verschiedenen 
Staaten ein verschiedener gewesgen. 
a) Preufsen. Als Gründer der preufsi- 
Schen Gewerbeschulen ist Beuth zu be- 
trachten. Er fand in Berlin die Schon 1799 
entstandene Bauschule vor, aus der Sich 
unter ihm die Bauakademie entwickelte. Er 
gründete 1821 das zweiklassige technische 
Institut, das Berliner Gewerbe-Institut, aus 
dem Später die Gewerbeakademie entstand. 
Beide Anstalten wurden in neuerer Zeit zur 
Technischen Hochschule Charlottenburg ver- 
Schmolzen. Beuth betrachtete diese beiden 
Anstalten als Zentralanstalten, die von den 
Provinzen einen Zufluſs von Schülern er- 
halten Sollten. Schon Seit 1817 hatte er 
mit der Gründung einiger Handwerker- 
Schulen von einjährigem Kursus in Regie- 
rungshauptstädten begonnen. Um 1821 
ing er mit der Organisation der Pro- 
vinzial - Gewerbeschulen an. Diese Sollten 
in einjährigem Kursus die Vorbildung für 
allerlei Gewerbe geben, und die besten 
Schüler Sollten in die Oberklasse der Ber- 
liner Zentralanstalt empfohlen werden, wo
	        
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