Gewandtheit -- Gewerbeschulen, bezonders höher organisierte
allgemeinen Rücksichten zu Sorgen. Sie
wird dies erreichen, wenn Sie es Sich an-
gelegen Sein läſst, im Zöglinge durch den
erziehenden Unterricht vielseitiges Interesse
zu pflanzen. Die ZusammenfasSung der
durch den Unterricht herbeigeschafften oder
mobil gemachten geistigen Massen zu Be-
griffen, Stimmungen, Maximen und Grund-
Sätzen wird ebenfalls Schon aus allgemeinen
erziehenden Rücksichten gefordert, nämlich
aus Rücksicht auf die Sicherung des Unter-
richtsergebnisses, und ebenso gehört die
Anwendung dieser SysSstematiSchen Elemente
auf gegebene Verhältnissge zur richtigen
unterrichtlichen Verarbeitung. Auf diesSer
Stufe der Anwendung liegt oifenbar der
Schwerpunkt der Sämtlichen Veranstaltungen
zur Erzielung geistiger Gewandtheit. Die
Anwendung kann phantasierte oder wirk-
liche Verhältnisse zur Voraussetzung haben,
ersteres in den verschiedenen Lehrgegen-
Ständen, die es mit Anschauung und Be-
urteilung menschlichen Handelns zu tun
haben, letzteres in den Berührungen, in die
das Schulleben die Kinder unter Sich und
mit Erwachsenen versetzt. Diese Berüh-
rungen mit dem wirklichen Leben Sind aber,
damit das Kind Sich unter den mannig-
faltigsten Verhältnissgen bewegen lerne, auf
alle Weise zu vermehren, und auch dies
iSt ein Grund dafür, daſs die Schulerziehung
neben den Unterrichtsveranstaltungen auch
noch zuchtmäſsige Einrichtungen treffen
Sollte, durch die den Zöglingen reichliche
Gelegenheit zum Verkehr untereinander
und mit Erwachsenen geboten würde.
4. Gefahren. So erstrebenswert nun
aber das Ziel ist, den Zögling mit mög-
lichst viel geistiger Gewandtheit auszurüsten,
SO hat doch eine allzugrolse Betonung
Solcher Gewandtheit auch ihre Gefahren,
namentlich wenn dieselbe zugleich mit
körperlicher Gewandtheit verbunden ist.
Sie gibt nämlich dem, der zie besitzt, unter
Umständen eine Sehr bedeutende Gewalt
über die Mensgchen, und es liegt alsdann
die Gefahr nahe, dals er Sich, Seines Sieges
in den meisten Fällen gewils, nach und
nach zum immer grandioseren Egoisten
auswächst. Solche Menschen können bei
Konstellationen, die der Entfaltung ihrer
Talente günstig Sind, zu den gröſsten Geiſseln
der Menschheit werden. Diegewandten Aben-
teurer, die Hochstapler, die internationalen
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Diebe und ähnliche Existenzen gehören
hierher; die falschen »Fürsten« wenigstens
dann, wenn Sie wider bessere Überzeugung
diese Rolle Spielen. Der Erzieher hat Na-
turen, in denen derartige Anlagen Schlummern,
in ihrem Tun und Treiben besonders Scharf
zu beobachten und Sie vor der Gefahr,
die ihnen gerade aus ihrer Individualität
droht, besonders eindringlich zu warnen.
Leipzig-Eutritzsch. 0. W. Beyer.
Gewerbeschulen, besonders höher
organisierte
Früher verstand man unter Gewerbe-
Schule jede gehobene Lehranstalt, die statt
der alten Sprachen neuere Sprachen betrieb
und Statt auf das Univerzgitätsstudium auf
das praktiSche Leben vorbereitete. So hatte
Zz. B. Berlin die Friedrichs-Werdersche und
die LuiSsenstädtische Gewerbeschule, die jetzt
zu den Oberrealschulen gehören. Alle Soiche
Anstalten bezeichnet man jetzt als Regl-
Schulen. Später verstand man unter Ge-
werbeschulen Lehranstalten mehr technisSchen
Charakters, die auf bestimmte Berufsarten
vorbereiten Sollen, also einen mehr fach-
lichen Unterricht zu geben haben. Der
Entwicklungsgang ist in den verschiedenen
Staaten ein verschiedener gewesgen.
a) Preufsen. Als Gründer der preufsi-
Schen Gewerbeschulen ist Beuth zu be-
trachten. Er fand in Berlin die Schon 1799
entstandene Bauschule vor, aus der Sich
unter ihm die Bauakademie entwickelte. Er
gründete 1821 das zweiklassige technische
Institut, das Berliner Gewerbe-Institut, aus
dem Später die Gewerbeakademie entstand.
Beide Anstalten wurden in neuerer Zeit zur
Technischen Hochschule Charlottenburg ver-
Schmolzen. Beuth betrachtete diese beiden
Anstalten als Zentralanstalten, die von den
Provinzen einen Zufluſs von Schülern er-
halten Sollten. Schon Seit 1817 hatte er
mit der Gründung einiger Handwerker-
Schulen von einjährigem Kursus in Regie-
rungshauptstädten begonnen. Um 1821
ing er mit der Organisation der Pro-
vinzial - Gewerbeschulen an. Diese Sollten
in einjährigem Kursus die Vorbildung für
allerlei Gewerbe geben, und die besten
Schüler Sollten in die Oberklasse der Ber-
liner Zentralanstalt empfohlen werden, wo