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Literatur: Aurelius Augustinus, De rudibus
catechizandis (übersetzt z. B. in Band III der F.
Schöninghschen Sammlung der bedeutendsten
pädagogischen Schriften). -- Peraldus, De eru-
ditione principum (das fünfte Buch übersSetzt
im 111. Bande der Herderschen Bibliothek der
katholischen Pädagogik). -- Ledderhose, Leben
und Schriften des M. Johann Friedrich Flattich.
-- Villaume, Allgemeine Theorie, wie gute
Triebe und Fertigkeiten usw. (in J. H. Campes
» Allgemeiner ReviSion usw.«, Band IV, Seite
595--604). -- Ch. G. Salzmann, Ameisenbüch-
lein oder Anweisung zu einer vernünftigen Er-
ziehung der Erzieher. -- Ch. H. Zeller, Lehren
der Erfahrung für christliche Land- und Armen-
Schullehrer. -- T. Ziller, Grundlegung zur Lehre
vom erziehenden Unterricht.
Zürich. A. Hug (A. Rude).
Gefälligkeit
1. Das Wesen der Gefälligkeit. 2. Die
ungittliche Gefälligkeit. 3. Die Erzienung zur
Gefälligkeit.
1. Das Wesen der Geiälligkeit. Ein
gefälliger Mensch ist ein Solcher, dessen
Denken und Tun Sich nicht ausschlieſslich
um die eigene Person dreht, der im
Gegenteil ein aufmerksames, hilfbereites
Auge hat für das, was in Seiner näneren
und weiteren Umgebung vorgeht, der
dienstfertig ist, der für andere entbehren
und Sparen, für ihre Reitung Sein Leben
opfern kann. Es gibt demnach verschiedene
Grade der Gefälligkeit, deren höchste nicht
von jedem Mensgchen erreicht werden. Von
der Aufmerksamkeit in den kleinen Dingen
des täglichen Lebens bis zu der Selbstlosen
Äuſsgerung der hingebenden Liebe ist ein
weiter Weg. Daraus ergibt sich, daſs die
Gefälligkeit nicht in der Sinnlich wahrnehm-
baren Erscheinung liegt, Sondern ein
charakteristisches Merkmal des inneren Men-
Schen ist. Es ist möglich, ja 80gar wahr-
Scheinlich, daſs Sich dasselbe auch in den
Gesichtszügen, in den Geberden und in
der Haltung abspiegelt. Aber um dies zu
erkennen, braucht es ein anderes Auge als
dasjenige ist, das Sich von Sinnlichen Reizen
einnehmen läſst. Eine gefällige Erscheinung
unterliegt dem ästhetischen Urteil; die Ge-
fälligkeit aber ist ein Ausfluſs des Wohl-
wollens und gehört darum in das Gebiet
der Ethik. Man kann jedoch nur dann
von reiner Gefälligkeit reden, wenn Sie mit
keiner anderen der sittlichen Ideen in Wider-
Spruch tritt, namentlich nicht mit der Idee
Geduld -- Gefälligkeit
der inneren Freiheit, Sonst wird Gefällig-
keit leicht Schwäche, wenn Sie nicht gar
zum Verbrechen führt.
Ein weiteres Merkmal wahrer Gefällig-
keit liegt in der Schicklichkeit, die das be-
rechtigte oder unberechtigte Selbstgefühl
der Mitmenschen nicht verletzt. Es gehört
viel Takt und LebensweiSheit dazu, S0 zu
helfen, Sei es durch Selbsttätiges Eingreifen
oder durch Gaben, daſs die Hilfe nur als
Freundlichkeit empfunden wird. Laſs deine
linke Hand nicht wissen, was die rechte
fut, das ist auch für die ernste Gefälligkeit
eine Schwere Aufgabe. Zudem wird unsere
Hilfe oft gar nicht verlangt. Wenn wir
trotzdem Sie darbieten, SO erscheinen wir
als zudringlich. Es ist nun gar keine Frage,
daſs es Verhältnisse gibt, in denen man
Sich durch den Vorwurf der Zudringlich-
keit nicht abschrecken lassen darf; aber
man muls Sich doch auch, namentlich im
Einzelverkehr, fragen: Ist ein inneres Ver-
langen nach Hilfe vorhanden? Dabei kommt
es wieder wesgentlich darauf an, daſs man
die Geister zu unterscheiden vermöge. Dem
Schamlosen Bettler wird man nur dann als
zudringlich erscheinen, wenn man ihn
Seiner Frechheit wegen. Straft, während
vielleicht der verschämte Arme gerade
darunter zu leiden hat, daſs man ihm gegen-
über zu wenig zudringlich ist. Übrigens
gibt in vielen Fällen den Entscheid für das
Verhalten der innere oder äuſsere Beruf,
Eine Gefälligkeit kann man einem Men-
Schen Schon damit erweisen, daſs man ihn
Schont. Dies kann Seine physiSschen und
psychischen Ursachen haben. Wenn man
von Schwachen und Kranken dieselben
Leistungen verlangt, wie von Starken und
Gesunden, So ist das nicht wohlwollend
gehandelt. Zur Schonung der Indivi-
dualitäten gibt es im Unterrichte gar mancher-
lei VeranlasSsungen. Die Schonung hat
immer einen negativen Charakter, aber
einen posgitiven Zweck. Sie kann auch im
Namen der Billigkeit auftreten; aber dann
iSt ihr Tun höchst Sorgfältig zu überlegen,
wie wir Später Sehen werden. Die be-
kanntesten Formen der Gefälligkeit Sind
die direkte, wenn ich Selbst Hand anlege,
und die indirekte, wenn ich durch Ge-
Schenke oder fremde Personen dem Nächsten
zu dienen Suche. Es können auch beide
Formen der Dienstfertigkeit vereinigt er-