Rede zur Feier der 25jähr. Amtsthätigkeit des Rektors Brune. 463
„Die Lateiner machen alles zu Nonnen, die Amerikaner zu Damen, die in unsere
Verhältnisse nicht passen, ihr aber lehrt und erzieht die Kinder zur Arbeit."
Nach einer vierfachen Seite hin wird dieser Erfolg offenbar. Eine große Zahl
treten als Dienstboten in den Dienst europäischer Familien, während es
früher für ein orientalisches Mädchen als Schande galt, in einem fremden Hause
als Magd zu dienen. Die meisten verwenden als Frauen und Mütter im
eigenen Hause, was sie in den Anstalten gelernt haben, sie geben durch die Be
währung von Arbeitsamkeit, Sauberkeit und Ordnungsliebe ihren Volksgenossen
ein gutes Beispiel. Charakteristisch ist, daß für die bei den Diakonissen erzogenen
Mädchen bald ein höherer Brautpreis erzielt wurde, wodurch wiederum manche
Eltern angetrieben wurden, ihre Kinder den Schwestern zu übergeben. Zahlreiche
Zöglinge — von den 1000, welche bis 1897 im Beiruter Lehrhaus eingetreten
waren, allein 60— wirken als Lehrerinnen und sind treue Gehülfinnen der
Diakonissen in ihren Schulen und Hospitälern und bei den andern morgen
ländischen Missionsunternehmungen. Endlich sind auch 23 als Diakonissen
ausgebildet worden; eine derselben hat Zahns biblische Geschichten ins Arabische
übersetzt. — Die Schule in Florenz gilt für die beste der Stadt. Im April
1899 machten 2 Externe, welche die ganze Schule durchgemacht hatten, vor einem
Komitee aus sachverständigen deutschen, italienischen, englischen und französischen
Herren in allen diesen Sprachen ein so gutes Examen, wie es kaum auf einem
deutschen Seminar abgelegt werden dürfte. Im einzelnen das Maß des Lichtes
und des Lebens nachzuweisen, das von den Erziehungsanstalten ausgegangen ist.
vermag niemand. Aber der Same wird nicht umsonst ausgestreut, und nach
D. Daltons Urteil erfüllen die Kaiserswerther Schwestern im Orient „eine
Mission von tiefgreifendster Bedeutung der evangelischen Kirche zum reichen Segen,
dem deutschen Vaterlande zum nachhaltigen Ruhme."
Rede zur Feier der 25jährigen Amtsthätigkeit des Herr»
Rektors Brune in Weitmar.
Verehrter Herr Rektor!
Das Kollegium unserer Schule hat heute Morgen das Bedürfnis gefühlt,
an Ihrer Schulandacht teilzunehmen, weil Sie heute auf eine 25jährige Thätig
keit im Dienste der Volksschule zurückblicken. Sie haben damit das Alter voller
männlicher Kraft und Rüstigkeit erreicht, welches im Leben besonders hoch geschätzt
wird. Deshalb ist es auch eine schöne und berechtigte Sitte geworden, den Tag
dieses Jubiläums vor andern auszuzeichnen durch eine ehrwürdige Feier, bei der
wir sinnend und prüfend zurückblicken auf die vergangenen Tage und Kraft
schöpfen für die Aufgaben, welche vor uns liegen. Es kann das nur geschehen
mit einem dankbaren Aufblick zu Gott, der in seiner Gnade es Ihnen vergönnt
hat, diesen Tag zu schauen. Und wenn Sie heute Ihre Amtsstellung und Ihre
Familie, den Kreis Ihrer Freunde und Schüler ins Auge fassen, dann werden
Sie gern und freudig bekennen, daß Sie Gottes Gnade und Güte in reichem
Maße erfahren haben.
Es hat sich so gefügt, daß Sie heute Ihr Jubiläum hier in Weitmar
feiern und in einem engeren Kreise. Aber wir sind dessen gewiß, daß Sie an