Full text: Evangelisches Schulblatt - 44.1900 (44)

438 
1. Abteilung. Abhandlungen. 
nur die Gedanken über Familienverband und Schule, die Dörpfeld in mehreren 
Büchern niedergelegt und die Rektor Meis auf dem letzten Kongreß in Kürze 
wieder vorgeführt hat, Gedanken, die inzwischen auch in Ihren einzelnen Kreisen 
erwogen sind, mit neuen Anregungen weiter tragen, auch allerlei wichtige Neben 
fragen zur Überlegung verstellen, damit dann in den bevorstehenden Winter 
monden eine eindringende, ruhige Fortarbeit geleistet werde und von dem Werke, 
das wir ernst bereitet, zuletzt ein voller, reicher Klang hinaustöne. 
* * 
♦ 
Es wird Ihnen von Interesse sein zu hören, daß gleichzeitig mit den von 
Ihnen beschlossenen Angriffsarbeiten zwei andere Kolonnen, jede selbständig von 
den andern, im Vorgehen begriffen sind für die von unserm Dörpfeld lange 
Zeit einsam verteidigten Familienrechte. 
Der Allgemeine Deutsche Privatschulvorsteherverein hat für seine gerade jetzt 
erscheinende neue Monatsschrift („Die Deutsche Privatschule") an die Spitze des 
Programms den Entschluß gestellt, das Recht der Familie an der Mitverwaltung 
der Schule gegenüber der wachsenden Reglementierung und Centralisierung „stand 
haft und treu" zu vertreten. Das ist nicht etwa ein künstlich herbeigesuchtes Stück 
des Programms; hatten doch bereits zwei Privatschulmänner, Barth-Leipzig und 
Trüper-Jena, die Dörpfeldschen Gedanken litterarisch weitergesponnen: jener indem 
er in seiner Schrift „Die Reform der Gesellschaft durch Neubelebung des Ge 
meindewesens" allgemeinere Richtlinien suchte, Trüper dagegen niit dem Buche 
„Die Familienrechte an der öffentlichen Erziehung", welches über die Stellung 
der politischen Parteien und die Geschichte des Familienprincips bestens orientiert. 
Zweitens ist gegen Ende vorigen Jahres in Hamburg der Kampf eröffnet 
für das Selbstverwaltungsprincip des trefflichen Unterrichtsgesetzes von 1870, 
das heute rechtlich noch Geltung hat, aber thatsächlich ganz und gar verkümmert 
ist; ein Kampf, den die bald darauf erfolgte Vorlage eines neuen, durchaus 
bureaukratischen Gesetzentwurfs nur aktueller gemacht hat. Den Anfang bildeten 
kurze Aufsätze von mir, vereinigt in der kleinen Schrift „Schule, Familie, Freiheit", 
und neuerdings haben wir es für zeitgemäß befunden, in einem Heftchen „Maß 
gebliches zur Schulverfassung", das in Partien nur 10 Pfennige kostet, einschlägige 
Gedanken hervorragender Pädagogen und Politiker zusammenzustellen; es sei für 
den Hausgebrauch aller Interessierten bestens empfohlen. An Ihnen nun wird 
es liegen, die hier anwesenden Freunde aus Hamburg durch freudige Zustimmung 
zu stärken, zumal diejenigen, welche der praktischen Betreibung der gemeinsamen 
Wünsche noch zaghaft und unentschlossen gegenüberstehen. Wirklich ist ein ganzer 
Wust von Schwierigkeiten künstlich zusammengefahren, unter denen manches Stück 
unsers Princips schier undurchführbar scheinen könnte; sonst aber haben wir 
Hamburger so gut Anlaß zu freudigem Mut wie zur Verzagtheit. Zur Ver 
zagtheit, selbst wenn wir nicht das Urteil von Lietz unterschreiben, daß die groß-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.