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Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens (1)

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Bibliographic data

fullscreen: Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens (1)

Multivolume work

Persistent identifier:
12267815x
Title:
Handbuch der Pädagogik
Editor:
Nohl, Herman
Pallat, Ludwig
Document type:
Multivolume work
Publisher:
Beltz
Place of publication:
Langensalza
Language:
German
Collection:
Pädagogische Nachschlagewerke
Access restriction:
Siehe Bände

Volume

Persistent identifier:
127191879
Title:
Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens
Document type:
Volume
Publisher:
Beltz
Publication year:
1933
Place of publication:
Langensalza
Language:
German
Collection:
Pädagogische Nachschlagewerke
Link zum Katalog:
127191879
Fußnote/Bemerkung:
Systemvoraussetzung der Online-Ausg.: HTML; Zugriffsart: Internet und World Wide Web
Access restriction:
Siehe Bände

Lemma

Title:
Germanische Art
Author:
Neumann, Friedrich
Document type:
Multivolume work
Structure type:
Lemma
Language:
German
Collection:
Pädagogische Nachschlagewerke
Link zum Katalog:
BBF0726474
Access restriction:
Siehe Bände

Contents

Table of contents

  • Handbuch der Pädagogik
  • Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens (1)
  • Titel
  • Inhaltsverzeichnis
  • Die Theorie der Bildung
  • Die Autonomie der Pädagogik
  • Geist und Haltung. Das Bildungsideal und die Volksbildung
  • Das Wesen des Erziehers
  • Die Bildsamkeit und der Bildungswille
  • Bildungsgehalte und Bildungsformen
  • Germanische Art
  • Die griechisch-römische Bildungswelt
  • Die Geschichte der katholischen Bildung
  • Das erzieherische Ethos protestantischen Christentums und die Wandlungen seines begrifflichen Ausdrucks
  • Die Pädagogik der Aufklärung und des deutschen Idealismus
  • Die pädagogische Bewegung in Deutschland
  • Die Entwicklung der Bildungsorganisation und ihr gegenwärtiger Zustand in Deutschland
  • Namenverzeichnis

Full text

Germaniſche Art 
I 
ie Spannung des geſchichtlich) bewegten Lebens läßt ſich an der gleichzeitigen Gültig- 
keit zweier Sätze erfaſſen, die ſic) zu widerſprechen ſcheinen: Was war, kehrt nie 
wieder. Was war, iſt ſtets gegenwärtig. 
Nimmt man eine geſchichtliche Erſcheinung in ihrer Ganzheit von Sorm und Gehalt, 
ſo gilt der Saß: Was war, kehrt nie wieder. Jede Zeit, wie man ſie auch abgrenzen 
mag, iſt eine eigene Zeit, ſie hat eigene Griffe, eigene Aufgaben, eine eigene Weltlöſung. 
Darum hat das fernhaft Gegenwärtige, das nichts anderes iſt als ſich entfaltende Zu- 
kunft, immer vor dem Dergangenen und Dergehenden ſein beſonderes Recht. Zur 
Ganzheit einer geſchichtlichen Erſcheinung gehört die Einzigartigkeit und darum zugleid) 
die Dergänglichkeit. Die Dergänglichkeit iſt der Preis, den das Einzigartige für den 
Wert der Einzigartigkeit bezahlen muß. 
Sobald man ſid) aber den treibenden Kräften des geſchichtlichen Lebens zuwendet, 
leuchtet der zweite Satz auf: Was war, iſt ſtets gegenwärtig. Das meint freilich nicht, 
daß alle Kräfte der Vergangenheit jede Gegenwart mit gleicher Stärke der Zukunft 
zutreiben. Während ſich die einen Kräfte ausleben, ſind die anderen zeitweiſe ge- 
feſſelt, ja in eine Art Dämmerzuſtand überführt. Aber ſie ſind alle da, um zu ihrer Zeit 
dem Hufruf zu gehorchen. Die verſchiedenen Kräfte der Dergangenheit haben in jeder 
Gegenwart ihre Träger, in denen ſie auf den Augenblid neuartiger Derwirklichung 
warten. Darum hat denn aud) das Vergangene troß ſeiner unwiederholbaren Einzig- 
artigkeit für den, der es aus den treibenden Kräften heraus verſteht, Zielbedeutung für 
Gegenwart und Zukunft. Aus dieſer Tatſame erwächſt der Sinn geſchichtlicher Be- 
trac<htungsweiſe. 
Alle Gegenwart läuft ſo nahe vor dem Betrachtenden ab, daß er in der Dichte und 
Sülle ihrer Erſcheinungen nur unſicher die Wirkſamkeit geſtaltender Kräfte erfaſſen 
kann. Die Gegenwart läßt ſich nur leben und zwar als das, was aus ſich die Zukunft 
erzeugt. Wir leben in der Gegenwart, indem wir an der Zukunft arbeiten, und dies 
Leben mit dem Blid auf die Zukunft heißt nichts anderes als geſchichtliche Kräfte zu 
neuartigen Derwirklichungen frei machen. Welche Kräſte aber uns in dem geſchichtlich 
gewordenen Geſtaltungsraum, der unſer Schidſal iſt, zur Derwirklichung gegeben ſind, 
das kann die Dergangenheit zeigen. Denn unſere Zukunft iſt nicht eine beliebige Zu- 
kunft. Sie iſt eine Zukunft, die durd) die Vergangenheit mitbeſtimmt wird. Alle un- 
geſchichtlichen Träume von der Zukunft erzeugen leicht Mißbildungen, ſobald ſie an 
das aus der Dergangenheit wachſende Leben herangebraht werden. Der wirklichkeits- 
ſtarke Traum von der Zukunft iſt daher immer zugleich mehr oder minder bewußt ein 
Traum von der Vergangenheit. Er iſt Beſinnung auf den Umkreis von Uröften, die 
Erbe der Dergangenheit ſind. 
Die deutſche Geſchichte, alſo das deutſche Leben hat ſich einen geſchichtlichen Geſtal- 
tungsraum geſchaffen, der ſich dur< die Südküſte der Nord- und Oſtſee und durc die 
Alpen, durc die weſtlichen Grenzgebirge der Rheinebene und durc eine unbeſtimmte 
oſtelbiſce Grenzbreite, die an der Hüſte beſonders weit ausgreift, abſte>en läßt. Dieſe 
6*
	        

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Die Theorie Und Die Entwicklung Des Bildungswesens. Beltz, 1933.
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