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Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens (1)

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Bibliographic data

fullscreen: Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens (1)

Multivolume work

Persistent identifier:
12267815x
Title:
Handbuch der Pädagogik
Editor:
Nohl, Herman
Pallat, Ludwig
Document type:
Multivolume work
Publisher:
Beltz
Place of publication:
Langensalza
Language:
German
Collection:
Pädagogische Nachschlagewerke
Access restriction:
Siehe Bände

Volume

Persistent identifier:
127191879
Title:
Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens
Document type:
Volume
Publisher:
Beltz
Publication year:
1933
Place of publication:
Langensalza
Language:
German
Collection:
Pädagogische Nachschlagewerke
Link zum Katalog:
127191879
Fußnote/Bemerkung:
Systemvoraussetzung der Online-Ausg.: HTML; Zugriffsart: Internet und World Wide Web
Access restriction:
Siehe Bände

Lemma

Title:
Die Bildsamkeit und der Bildungswille
Author:
Nohl, Herman
Person in original:
[Hermann Nohl]
Document type:
Multivolume work
Structure type:
Lemma
Language:
German
Collection:
Pädagogische Nachschlagewerke
Link zum Katalog:
BBF0726472
Access restriction:
Siehe Bände

Contents

Table of contents

  • Handbuch der Pädagogik
  • Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens (1)
  • Titel
  • Inhaltsverzeichnis
  • Die Theorie der Bildung
  • Die Autonomie der Pädagogik
  • Geist und Haltung. Das Bildungsideal und die Volksbildung
  • Das Wesen des Erziehers
  • Die Bildsamkeit und der Bildungswille
  • Bildungsgehalte und Bildungsformen
  • Germanische Art
  • Die griechisch-römische Bildungswelt
  • Die Geschichte der katholischen Bildung
  • Das erzieherische Ethos protestantischen Christentums und die Wandlungen seines begrifflichen Ausdrucks
  • Die Pädagogik der Aufklärung und des deutschen Idealismus
  • Die pädagogische Bewegung in Deutschland
  • Die Entwicklung der Bildungsorganisation und ihr gegenwärtiger Zustand in Deutschland
  • Namenverzeichnis

Full text

52 Die Theorie der Bildung 
nicht überſchreiten und hat in dem richtigen Verhältnis von Kraft und Leiſtung die 
dauernde Grundlage ihrer Arbeit. 
Der Erſte, der dieſes Derhältnis als weſentlich für die pädagogiſche Arbeit entde>t hat, 
war Nouſſeau. Immer wieder betont er im Emile, daß die Harmonie zwiſchen Kraft 
einerſeits und Trieb wie Anforderung anderſeits das entſcheidende Ziel ſein müſſe. 
Peſtalo3z3i hat das dann ſehr vertieſt. Stand damals mehr das Verhältnis von 
Kraft zum Trieb im Vordergrund mit der Aufgabe, die Kraft zu ſtärken und den Trieb 
zu mindern, alſo unnlüße Reize zu entfernen und die Phantaſie zu dämpfen, ſo iſt in der 
Gegenwart das Derhältnis von Kraft und Anforderung faſt entſcheidender geworden, 
d. h. das Verhältnis der Kraft des Zöglings zu den Anforderungen der Gemeinſchaft, die 
er erfüllen muß, um ſein beſcheidenes Leben zu haben. Die ZSolge iſt in der Schule ſc<hon 
eine Überſteigerung der Anforderungen an die nicht ausreichend Begabten, eine immer 
wachſende Stoſffülle und ein ſteigendes Berechtigungsunweſen, eine weitere Solge 
die tiefe Entmutigung und ein Wuchern des Minderwertigkeitsgefühls, das dann ſole 
pädagogiſchen Übertreibungen wie die Schule Alfred Adlers hervorgerufen hat. 
Neben Trieb und Anforderung ſteht die höhere Sehnſucht, die unſere Kraft in Anſprud) 
nimmt, Was die eine Seite braucht, verlangt Verzicht nac) der andern. So gibt es 
hier einen Haushalt des Lebens, in dem wir eine gewiſſe Okonomie unſerer Kräfte 
beobachten müſſen und vor allem als Lehrer beherrſchen müſſen. Das Kind hat nur ein 
gewiſſes Maß von Kraft, und der Erzieher muß unausgeſeßt daran denken, dieſe Uraft 
zu ſchonen, zu ſammeln, zu ſteigern und zu dirigieren, Triebbefriedigung und Anforde- 
rungen immer richtig zu doſieren und womöglich ſtets für ein bißchen Kraftüberſchuß 
zu ſorgen, in dem alle Sreudigleit, Altivität und ſchenkende Güte gegründet iſt. 
YI, Bildungsgehalte und Bildungsformen 
1, Die Zormen der Selbſtausbildung durch das Leben 
Wir Deutſche ſind noh) mehr als andere Dölker geneigt, bei Bildung vor allem an 
Schulbildung zu denken und die unbewußte Entwidlung und Geſtaltung durc das Leben, 
die die viel ſtärkere iſt, zu unterſchäßen. Die Gründe für dieſe pädagogiſche Hybris oder 
Pedanterie, wie man will, ſind klar. Die weltmänniſche Pädagogik des 18. Jahrhunderts 
hatte noch die Reiſe als wichtigſtes Bildungsmittel gekannt. Als ſich dann aber die höhere 
Bildung des Bürgertums immer mehr von der „Welt“ trennte, vor der das Kind zu be- 
wahren ſei, wie es auch nicht für ſie zu bilden ſei, da bekam die Pädagogik die Aufgabe, 
ihm nur kontrollierte und gereinigte Bildungsmittel zuzuführen, und an die Stelle der 
wirklichen Welt trat die Bücherwelt und der Unterricht, an die Stelle der wirklichen 
Dinge und Menſc<en das Wort oder höchſtens das Bild. Unterſtüßt wurde dieſe Bewegung 
dadurch, daß die jubſtanzloſen ſtädtiſchen Verhältniſſe immer entſcheidender wurden und 
eine einheitliche, gemeinſame, öffentliche Dolksbildung immer mehr verſchwand. So 
konnte der Aberglaube entſtehen, daß ſid) das geiſtige Leben in den Menſchen einſeitig 
mit denabſtrakten Mitteln des wiſſenſchaftlichen Unterrichts aufbauen laſſe, bis ſchließlid) 
die Armut an Erlebnis, die damit verbunden war, und die Unfreiheit ſolcher ſchematiſchen 
Bildung einen weſentlicjen Grund zur Jugendbewegung abgaben. Einen gleichen Aus- 
bru) aus der Schule in das konkrete Leben bedeutete ſchon die Sturm- und Drangbewe- 
gung, wie ſie in der Pädagogik von Herder, Möſer, Goethe und Peſtalozzi erſcheint: an 
Stelle der Buchſtabenſchule, die zu Geſchwäß, Leere und geiſtiger Ermüdung führe,
	        

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Die Theorie Und Die Entwicklung Des Bildungswesens. Beltz, 1933.
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