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Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens (1)

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Bibliographic data

fullscreen: Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens (1)

Multivolume work

Persistent identifier:
12267815x
Title:
Handbuch der Pädagogik
Editor:
Nohl, Herman
Pallat, Ludwig
Document type:
Multivolume work
Publisher:
Beltz
Place of publication:
Langensalza
Language:
German
Collection:
Pädagogische Nachschlagewerke
Access restriction:
Siehe Bände

Volume

Persistent identifier:
127191879
Title:
Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens
Document type:
Volume
Publisher:
Beltz
Publication year:
1933
Place of publication:
Langensalza
Language:
German
Collection:
Pädagogische Nachschlagewerke
Link zum Katalog:
127191879
Fußnote/Bemerkung:
Systemvoraussetzung der Online-Ausg.: HTML; Zugriffsart: Internet und World Wide Web
Access restriction:
Siehe Bände

Lemma

Title:
Das Wesen des Erziehers
Author:
Nohl, Herman
Person in original:
[Hermann Nohl]
Document type:
Multivolume work
Structure type:
Lemma
Language:
German
Collection:
Pädagogische Nachschlagewerke
Link zum Katalog:
BBF0726471
Access restriction:
Siehe Bände

Contents

Table of contents

  • Handbuch der Pädagogik
  • Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens (1)
  • Titel
  • Inhaltsverzeichnis
  • Die Theorie der Bildung
  • Die Autonomie der Pädagogik
  • Geist und Haltung. Das Bildungsideal und die Volksbildung
  • Das Wesen des Erziehers
  • Die Bildsamkeit und der Bildungswille
  • Bildungsgehalte und Bildungsformen
  • Germanische Art
  • Die griechisch-römische Bildungswelt
  • Die Geschichte der katholischen Bildung
  • Das erzieherische Ethos protestantischen Christentums und die Wandlungen seines begrifflichen Ausdrucks
  • Die Pädagogik der Aufklärung und des deutschen Idealismus
  • Die pädagogische Bewegung in Deutschland
  • Die Entwicklung der Bildungsorganisation und ihr gegenwärtiger Zustand in Deutschland
  • Namenverzeichnis

Full text

Das Weſen des Erziehers 399 
 
Weſen der Bildung fanden, ſo gehört er au) in die Bildnerperſönlichkeit. Die Sröhlich- 
keit der Rinder iſt das Uriterium jeder gelungenen pädagogiſchen Leiſtung. Aber das gilt 
auch für den Lehrer ſelbſt und ſeine innere Sreiheit, die ſich als Humor über alle Hinder- 
niſſe erhebt und ihn darum nicht mißmutig oder keifend werden läßt. Man mußein Kind 
ſehr ernſt nehmen, aber werkann es bloßernſtnehmen? Dieſe dauernde Illuſion überſeine 
Exiſtenz, das Mißverhältnis ſeiner Kraft zu ſeiner Phantaſieleiſtung, ſeine Uaivität als 
den Widerſpruch des kindlichen AKusdruäs zu der umgebenden Rultur, das ganze Ver- 
hältnis ſeiner Uleinen Dinge zu den großen Maßen des Erwachſenenlebens: -- Spott 
und Ironie ſind der unpädagogiſche Ausdru> der Überlegenheit des Erwachſenen über 
dieſe Lage des Rindes. Ihr pädagogiſcher Ausdru> iſt eben der Humor, der getragen 
iſt von der Sreude an der Produktivität und ſprudelnden Sröhlichkeit, der künſtleriſchen 
Ungebundenheit und Zwedfreiheit des Kindes, zugleich aber ſeine Grenze ſieht; wo ſich 
alſo au an dieſer Stelle wieder jene Zweiſeitigkeit alles Pädagogiſchen zeigt, die Liebe 
und die Überlegenheit. Dieſer Humor muß ſi) auc) bewähren, wenn der Übermut 
der Jugend ſich gegen uns ſelberrichtet, darfeinem nur vergehen, wo man jemanden etwas 
Gemeines tun ſieht. Die eigentlicye Erzieherkrankheit iſt der pedantiſche Ernſt, das ewige 
Schelten oder die phariſäiſche Uritik, die immer Recht hat. Wo der Humor des Beruſs 
vorhanden iſt, da wird man auh die eigene Erzieherexiſtenz nicht ſo gewaltig ernſthaft 
nehmen, weil man weiß, wie groß do<h aud) hier das Mißverhältnis iſt zwiſchen. dem, 
was man predigt, und dem, was man ſelber iſt. Die unpädagogiſche Sorm dieſer 
Einſicht iſt der Zynismus. Der humor iſt eben die Zorm der Sreiheit auf dieſem Gebiet, 
wo bei allem höchſten Ernſt der Hingabe dod) noh ein Bewußtſein bleibt von der Relativi- 
tät all unſeres Zielwillens, und daß am Ende die freundliche, tragende Liebe die alles 
überdauernde, heilende und löſende Macht iſt -- ſtärker als jede Methode. 
Das dritte iſt ſchließlich die Überparteilichkeit des wahren Erziehers. Sie ergibt ſic 
aus der Aufgabe, die die Erziehung im Zuſammenhang des geiſtigen Lebens hat. „Dieſe 
Leiſtung liegt, im Unterſchied von der des Politikers, ihrem Weſen nad jenſeits der 
akuten Problematik des Tages" (H. Sre yer). Und der Erzieher muß für dieſe Leiſtung 
freiſein. Aud) ein Künſtler iſt in dieſem Sinne überparteilich) : das heißt nicht, daß er nicht 
leidenſchaftlich für eine Sache einſtünde -- aber wenn er ſchafft, ſo ſchafft er nach den 
Geſetzen ſeiner Kunſt und nur nad) ihnen, dann will er nicht bewußt deutſch ſein oder 
kommuniſtiſch oder katholiſch, ſondern echt, wahr, ſromm und liebend, und dann kommt 
das andere alles von ſelbſt. Ein Stil erwächſt nicht aus dem Willen zu beſonderen 
Sormen, ſondern aus der Erfüllung der allgemeinen Geſeßlichkeiten bei leidenſchaftlicher 
Hingabe an das lebendige Objekt, und dann wird er vielleicht auc) Größe, Kraft und 
Charakter bekommen, anders nie! So ſollen aud) wir, wenn wir vor den Uindern ſtehen, 
welcher Konfeſſion wir auch angehören mögen, bewußt nur den einen Willen haben, 
Pädagogen zu ſein, und die innige Sehnſucht, nicht Parteiler ſondern Menſchen aus 
ihnen zu bilden. Dann werden aus ihnen vielleicht auch einmal ſtarke und vollgültige 
Cräger unſerer Idee =- anders gewiß nicht. | 
V. Die Bildſamkeit und der Bildungswille 
Läßt ſich die Pädagogik doppelt ſehen, vom pädagogiſchen Derhalten des Exr- 
ziehers wie vom Bildungswillen und Bildungserlebnis des Zöglings aus, ſo liegt 
es dod) in der Natur der Sache, daß für den Aufbau der Theorie die Perſpektive 
des Erziehers immer die entſcheidende bleibt. Man hat dieſe Doppelheit im Bildungs- 
3.
	        

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Die Theorie Und Die Entwicklung Des Bildungswesens. Beltz, 1933.
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