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Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens (1)

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Bibliographic data

fullscreen: Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens (1)

Multivolume work

Persistent identifier:
12267815x
Title:
Handbuch der Pädagogik
Editor:
Nohl, Herman
Pallat, Ludwig
Document type:
Multivolume work
Publisher:
Beltz
Place of publication:
Langensalza
Language:
German
Collection:
Pädagogische Nachschlagewerke
Access restriction:
Siehe Bände

Volume

Persistent identifier:
127191879
Title:
Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens
Document type:
Volume
Publisher:
Beltz
Publication year:
1933
Place of publication:
Langensalza
Language:
German
Collection:
Pädagogische Nachschlagewerke
Link zum Katalog:
127191879
Fußnote/Bemerkung:
Systemvoraussetzung der Online-Ausg.: HTML; Zugriffsart: Internet und World Wide Web
Access restriction:
Siehe Bände

Lemma

Title:
Geist und Haltung. Das Bildungsideal und die Volksbildung
Author:
Nohl, Herman
Person in original:
[Hermann Nohl]
Document type:
Multivolume work
Structure type:
Lemma
Language:
German
Collection:
Pädagogische Nachschlagewerke
Link zum Katalog:
BBF0726470
Access restriction:
Siehe Bände

Contents

Table of contents

  • Handbuch der Pädagogik
  • Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens (1)
  • Titel
  • Inhaltsverzeichnis
  • Die Theorie der Bildung
  • Die Autonomie der Pädagogik
  • Geist und Haltung. Das Bildungsideal und die Volksbildung
  • Das Wesen des Erziehers
  • Die Bildsamkeit und der Bildungswille
  • Bildungsgehalte und Bildungsformen
  • Germanische Art
  • Die griechisch-römische Bildungswelt
  • Die Geschichte der katholischen Bildung
  • Das erzieherische Ethos protestantischen Christentums und die Wandlungen seines begrifflichen Ausdrucks
  • Die Pädagogik der Aufklärung und des deutschen Idealismus
  • Die pädagogische Bewegung in Deutschland
  • Die Entwicklung der Bildungsorganisation und ihr gegenwärtiger Zustand in Deutschland
  • Namenverzeichnis

Full text

34 Die Theorie der Bildung 
 
ſeit Rouſſeau und herder das große Problem der richtigen Erziehung, Jede 
Zeit hat auch hier ihr eigenes Ideal vom wahren Kind und vom wahren Jüngling oder 
Mäddhen. Der Ephebe iſt nicht der Chorknabe oder der Page, der Wandervogel nicht der 
Jungſturm. Worauf es aber pädagogiſch vor allem ankommt, iſt die Erkenntnis von 
dem Selbſtwert dieſer kindlichen Zorm. Der Erzieher muß immer vom Urſprung, vom 
Werden her denken. Die Geſtalt ſeines Kindes wird nie ſeine Geſtalt ſein, ſondern liegt 
immer in der Zukunft, ergibt ſich aus den ſtets neuen Aufgaben und Bedingungen des 
Lebens und liegt darum auch höchſtwahrſcheinlich über den Gegenſäßen, die uns heute 
jo wichtig erſcheinen. Alle großen Pädagogen haben dieſen weſensmäßigen Bezug 
einer wahren Erziehung auf die Zukunft mit Leidenſchaft feſtgehalten. 
IV. Das Weſen des Erziehers 
Seit Dilthey hat man verſucht, aud) das pädagogiſche Genie in ſeiner Eigenart 
zu ſehen. Kerſchenſteiners ſchönſtes Bud iſt der Seele des Erziehers gewidmet. 
Wir haben gelernt, unter den Erziehern die verſchiedenen Sormen des Pflegers, Er- 
ziehers, Lehrers und Führers zu unterſcheiden. Das Weſentliche, was hier zu ſagen wäre, 
ergibt jich von ſelbſt aus dem DVorangegangenen. Hier ſollen nur nod) drei Momente 
beſonders hervorgehoben werden. 
Das erſte iſt die Erkenntnis von dem eigentümlich) ſchöpferiſchen Charakter der er- 
zieheriſchen Leiſtung. Sie iſt nicht Unterordnung eines Salles unter eine Regel -- es gibt 
jolche tehniſchen Momente in ihr, aber ſie reichen nie in das Zentrum der pädagogiſchen 
Aufgabe hinein. Dieſe iſt doch ganz analog der des Künſtlers. Wie dieſer in der Mannig- 
faltigkeit des Gegebenen die geiſtige Einheit findet, die dann dieſe Mannigfaltigkeit geſtaltet, 
als ob ſie aus ihr hervorgegangen wäre, ſo arbeitet auch der Pädagoge: er ſucht ſchöpferiſch 
die Einheit zu der gegebenen Mannigfaltigkeit, aus der ſic) dieſe dann wie von ſelbſt 
zu ergeben ſcheint. Der Unterſchied iſt nur, daß der Erzieher immer ſeinen Ausgang 
nimmt von einer Schwierigkeit oder von einer Uot ſeiner Zöglinge, die zu beheben iſt. 
Das iſt der Charakter jeder pädagogiſchen Leiſtung. Sie findet ihren Höhepunkt in dem 
Erſchauen des Bildungsideals als der geiſtigen Einheit einer Mannigfaltigkeit hiſtoriſch 
gegebener Lebensbezüge, iſt aber dieſelbe in jedem pädagogiſchen Zug. Überall, 
wo eine geiſtige Einheit hergeſtellt wird oder eine Situation von innen her geformt 
wird, in Spiel, Arbeit, Seier, Ermahnung -- jedes Mal handelt es ſich um das innere 
Zuſammennehmen aller vorhandenen Saktoren zur Einheit der geiſtigen Wirkungskraft. 
Hierin iſt dann auch das Erfinderiſche des pädagogiſchen Genies begründet, das jeden 
Anſatz und jede Möglichkeit benutzt, einem Kinde Gelegenheit zu geben, ſeine Kräfte zu 
üben. Jeder neue Griff der Didaktik iſt eine ſolche Erfindung, und aud hier iſt nod) jene 
Doppelheit ſichtbar, die die ganze Pädagogik durchzieht und die hier Spiel und Methode 
heißt. Das Spiel iſt die ſchöpferiſche Leiſtung, die in der Gemeinſchaft der Gegenwart 
aufgeht, die Methode hat den langen Atem, der auf das Ziel gerichtet iſt und die Sührung 
repräſentiert, Der wahre Erzieher muß beides können, ſein Geheimnis iſt die eigentüm- 
liche Miſchung von Spiel und Methode, Spiel und Arbeit, nicht bloß eine Stufenablöſung, 
wie Schleiermacher und andere nad ihm das konſtruiert haben. 
Gegen die Pedanterie der Methode iſt das beſte Mittel der Humor, und damit er- 
ſcheint ein zweites Moment im Weſen des Erziehers. Oscar Jäger hat einmal geſagt: 
viele haben das Pathos ihres Berufs, aber wenige ſeinen Humor, das gelte für 
alle Berufe, aber beſonders für den Lehrer. Wie wir den humor als ein Element im
	        

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Die Theorie Und Die Entwicklung Des Bildungswesens. Beltz, 1933.
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