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Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens (1)

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Bibliographic data

fullscreen: Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens (1)

Multivolume work

Persistent identifier:
12267815x
Title:
Handbuch der Pädagogik
Editor:
Nohl, Herman
Pallat, Ludwig
Document type:
Multivolume work
Publisher:
Beltz
Place of publication:
Langensalza
Language:
German
Collection:
Pädagogische Nachschlagewerke
Access restriction:
Siehe Bände

Volume

Persistent identifier:
127191879
Title:
Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens
Document type:
Volume
Publisher:
Beltz
Publication year:
1933
Place of publication:
Langensalza
Language:
German
Collection:
Pädagogische Nachschlagewerke
Link zum Katalog:
127191879
Fußnote/Bemerkung:
Systemvoraussetzung der Online-Ausg.: HTML; Zugriffsart: Internet und World Wide Web
Access restriction:
Siehe Bände

Lemma

Title:
Geist und Haltung. Das Bildungsideal und die Volksbildung
Author:
Nohl, Herman
Person in original:
[Hermann Nohl]
Document type:
Multivolume work
Structure type:
Lemma
Language:
German
Collection:
Pädagogische Nachschlagewerke
Link zum Katalog:
BBF0726470
Access restriction:
Siehe Bände

Contents

Table of contents

  • Handbuch der Pädagogik
  • Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens (1)
  • Titel
  • Inhaltsverzeichnis
  • Die Theorie der Bildung
  • Die Autonomie der Pädagogik
  • Geist und Haltung. Das Bildungsideal und die Volksbildung
  • Das Wesen des Erziehers
  • Die Bildsamkeit und der Bildungswille
  • Bildungsgehalte und Bildungsformen
  • Germanische Art
  • Die griechisch-römische Bildungswelt
  • Die Geschichte der katholischen Bildung
  • Das erzieherische Ethos protestantischen Christentums und die Wandlungen seines begrifflichen Ausdrucks
  • Die Pädagogik der Aufklärung und des deutschen Idealismus
  • Die pädagogische Bewegung in Deutschland
  • Die Entwicklung der Bildungsorganisation und ihr gegenwärtiger Zustand in Deutschland
  • Namenverzeichnis

Full text

Geiſt und Haltung 31 
 
bloß wild ſtürmt, ſondern immer in der Hand des Reiters iſt und ſo Haltung hat, die ſid) 
au) in ſeiner äußeren Form zeigt. Don hier aus wurde der Ausdru> aud) auf den 
Reiter übertragen, dann auf den Mann Überhaupt, ſchließlich auf jede Lebendigkeit. 
Der Grieche Plato vergleicht im Phädrus in dem berühmten Bild die Seele mit den 
Wagenpferden und ihrem Lenker. Die ariſtokratiſche Bildung entwidelte ihre erziehe- 
riſchen Grundbegriffe im Derkehr mit dem Pferd. Aud) die anderen hierhergehörigen 
Ausdrüde wie Gehaben, Benehmen, Zuſammennehmen haben den reflexiven Charakter 
und bedeuten das „ſich in der Hand haben“, „ſich im Zaum halten" wo der Zügel bald 
loerer gelaſſen, bald ſtraffer angezogen, der Zögling „angeſpornt" oder „an die Kandare 
genommen wird". 5o gewinnt aud) der Menſd) erſt ſeine höchſte Sorm, wo eine ſtür- 
miſche Lebendigkeit des Geiſtes ſich) in einer Haltung ſammelt und eben dadurd erſt 
ſouverän mit ihren Uräſten zu ſchalten vermag, voll Spannung iſt und do frei. Die 
Bildung als ſpontane Geſtaltung ruht überall auf dieſer Polarität der Tendenzen von 
Geiſt und Haltung. Dilthey drüdt das einmal ganz allgemein ſo aus: „Das Grund- 
verhältnis iſt, daß vita motus perpetuus, Impuls, Streben, Ablauf und do zugleich als 
dieſes Durchlaufen und zwar mit Bewußtſein iſt es zugleich bewußter Beſitz und Streben 
nad) Seſtigung, das aus dem Verlauf hervorgeht. Beides zuſammen: Geſtaltung." 
Wie aber nun die verſchiedenen Lebensgebiete nebeneinander ſtehen, gilt ſolche Ge- 
ſtaltung zunächſt immer nur für die Bildung in dem jeweiligen Lebensſtü&, das ſie be- 
herrſcht, iſt alſo künſtleriſche Bildung oder handwerkliche oder ſportliche. Den Geiſt 
und die Haltung aber des Ganzen der Bildung nennen wir Bildungsideal. 
Der Äusdrud ſtammt von Shleiermadcer und iſt dann von Willmann 
und Dilthey weiter entwidelt worden. Das Bildungsideal iſt der bewußte 
Geiſt eines höheren Menſc<hentums, der die verſchiedenen Bildungstendenzen in ſic 
aufgenommen hat aber nun von einem einheitlichen Zentrum aus alle Ausbildung 
beſtimmt und alle Antriebe und Zwede der Erziehung ſo gut wie die Regeln, Metho- 
den und Organiſationen der Bildung regiert: das Idealbild einer einheitlichen kör- 
perlich-ſeeliſch- geiſtigen Verfaſſung. Willmann hat ſchön gezeigt, wie ein ſolches 
Bildungsideal in einer Intuition gegründet iſt und keine Formel der Didaktik imſtande 
iſt, ſeinen Gehalt und ſein Cthos zu erſchöpfen, die do< anſchaulich in uns leben. Es 
iſt die lezte Bedingung aller pädagogiſchen Arbeit, ohne das ſie zerfahren, zufällig und 
äußerlid) zuſammengefaßt erſcheinen müßte. Uur den Menſchen nennen wir wirklich 
gebildet, der es zu einem ſolchen einheitlichen höheren geiſtigen Leben aus einem Ideal 
gebracht hat, das alle ſeine Rußerungen beherrſcht und formt. Sold) ein Menſc< hat 
dann den Stil ſeines Lebens gefunden, das Leben aus einem Geiſt und Guß. Die Bil- 
dungshöhe des Menſchen wird nicht gemeſſen an ſeiner einzelnen Rulturleiſtung, ſondern 
an der inneren Derbindung ſeines Fühlens und Tuns aus ſolchem einheitlichen Geſeß, 
in dem aud) ſeine einzelne Leiſtung erſt ihre Stellung findet. Solche vollendete Lebens 
form des Menſchen hat ihre lezte Grundlage aber in ſeiner Stellung zur Welt, in dem, 
was man Weltanſchauung, Metaphyſik oder Religion nennt. Wie ic die Form eines 
Kunſtwerks ſchließlic) nur aus dem metaphyſiſchen Verhältnis ſeines Schöpfers zum 
Leben verſtehe, ſo iſt au die Lebensform der Bildung nur zu begründen aus ſolchen 
lezten Überzeugungen vom Ganzen des Lebens und der Stellung des Menſchen in ihm. 
Nein bloß empiriſches Daſein kann das geben, denn es bleibt immer verzettelt, fragmen- 
tariſc) und ohne die dauernde Slugkraft, die allein aus einem lebendigen YDerhältnis 
zu der Lebenstiefe und ihrer Sinneinheit ſtammt. Uennt man ein ſolches Verhältnis
	        

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Die Theorie Und Die Entwicklung Des Bildungswesens. Beltz, 1933.
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