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Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens (1)

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Bibliographic data

fullscreen: Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens (1)

Multivolume work

Persistent identifier:
12267815x
Title:
Handbuch der Pädagogik
Editor:
Nohl, Herman
Pallat, Ludwig
Document type:
Multivolume work
Publisher:
Beltz
Place of publication:
Langensalza
Language:
German
Collection:
Pädagogische Nachschlagewerke
Access restriction:
Siehe Bände

Volume

Persistent identifier:
127191879
Title:
Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens
Document type:
Volume
Publisher:
Beltz
Publication year:
1933
Place of publication:
Langensalza
Language:
German
Collection:
Pädagogische Nachschlagewerke
Link zum Katalog:
127191879
Fußnote/Bemerkung:
Systemvoraussetzung der Online-Ausg.: HTML; Zugriffsart: Internet und World Wide Web
Access restriction:
Siehe Bände

Lemma

Title:
Die Autonomie der Pädagogik
Author:
Nohl, Herman
Person in original:
[Hermann Nohl]
Document type:
Multivolume work
Structure type:
Lemma
Language:
German
Collection:
Pädagogische Nachschlagewerke
Link zum Katalog:
BBF0726469
Access restriction:
Siehe Bände

Contents

Table of contents

  • Handbuch der Pädagogik
  • Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens (1)
  • Titel
  • Inhaltsverzeichnis
  • Die Theorie der Bildung
  • Die Autonomie der Pädagogik
  • Geist und Haltung. Das Bildungsideal und die Volksbildung
  • Das Wesen des Erziehers
  • Die Bildsamkeit und der Bildungswille
  • Bildungsgehalte und Bildungsformen
  • Germanische Art
  • Die griechisch-römische Bildungswelt
  • Die Geschichte der katholischen Bildung
  • Das erzieherische Ethos protestantischen Christentums und die Wandlungen seines begrifflichen Ausdrucks
  • Die Pädagogik der Aufklärung und des deutschen Idealismus
  • Die pädagogische Bewegung in Deutschland
  • Die Entwicklung der Bildungsorganisation und ihr gegenwärtiger Zustand in Deutschland
  • Namenverzeichnis

Full text

16 Die Theorie der Bildung 
 
in Begriffe faſſen laſſen. Dieſe relative Selbſtändigkeit des Eigenweſentlichen verſtehen 
wir unter Autonomie der Pädagogik. Solcher Begriff der Autonomie garantiert über- 
haupt erſt die Beſtimmtheit des Gegenſtandes einer Theorie. Jedes Beiſpiel aus der 
pädagogiſchen Gegenwart kann das verdeutlichen. Was iſt nicht alles an der Arbeits- 
ſchule beteiligt? Sozialiſtiſche, wirtſchaftliche, ethiſche, pſychologiſche und ſtaatsbür- 
gerlice Geſichtspunkte und Intereſſen: alle dieſe einzelnen FSaktoren müſſen deuts» 
lich ſein, ſchließlich iſt die Arbeitsſhule aber dod eine päd ago giſde Idee, und 
von der Pädagogik aus muß ſich die eigentümliche Suntheſe aller dieſer Zaktoren in der 
Arbeitsſhule rechtfertigen. Weil dieſe Eigenbedeutung der Erziehung mit der Auf- 
flärung und dem Liberalismus bewußt geworden iſt -- wie die der anderen Kultur- 
ſyſteme, die ſich in dieſem Emanzipationsprozeß ſeit der Renaiſſance auf ihre Autonomie 
beſannen --, ſo meint man, ſie ſei ein Beſtandſtüd dieſer Bewegungen, das auch mit ihnen 
wieder verſc<winden könnte. Aber jede echte Emanzipation bedeutet ja nicht nur ein 
Sreimaden, ſondern zugleich das Sinden des eigenen Geſetzes, durch das die Zunktion, 
oder wer nun das Subjekt der Emanzipation iſt, ſich gebunden weiß. Und dieſes Geſeß 
iſt nicht von einer Weltanſchauung abgeleitet, jondern geht in dem echten Dollzug der 
Sunktion der Selbſtbeſinnung auf, und man wird umgekehrt fragen können, ob eine 
Weltanſchauung nicht das wahrhafte Weſen der Erziehung und ihre „einheimiſchen Be- 
griffe" in ſich aufgenommen haben müſſe, wenn ſie gültig ſein wolle, genau ſo wie ſie 
die Naturgeſehlichkeit anerkennen muß. Schon die Philanthropen haben die Berechtigung, 
von dem Eigenwejen der Pädagogik aus rü>wärts die Weltanſchauung zu kritiſieren 
gekannt: Gedike wendet ſid) einmal gegen die lutheriſche Anthropologie, nad) der „des 
Menſc<en unſterbliche Seele von Natur nad) allen ihren Kräften aufs höchſte verderbt" 
ſei, und meint, daß „eine auf dieſer Gottes und des Menſchen unwürdigen Hypotheſe 
gebaute Pädagogik für ebenſo j<wer zu halten ſei wie die Zirkelquadratur", Der Erſte 
aber, der hier mit aller Klarheit geſehen hat, iſt Herbart geweſen. In ſeinem Umriß 
pädagogiſcher Vorleſungen heißt es im 8 3: „Philoſophiſche Syſteme, worin entweder 
Satalismus oder tranſzendentale Sreiheit angenommen wird, ſchließen ſic) ſelbſt von 
der Pädagogik aus. Denn ſie können den Begriff der Bildſamkeit nicht ohne Inkoaſe- 
quenz in ſich aufnehmen." Das meint nicht den Anſprud einer falſchen Pädagogiſierung 
des Lebens -- wenn es auch einen berechtigten Geſichtspunkt gibt, von dem aus die 
geſamte Kultur der Kritik der Pädagogik unterliegt (genau ſo wie ich alles religiös oder 
äſthetiſd) anſehen kann), wo alſo auch nod) die Inſtitutionen und Geſetze des Staats nad) 
ihrem erzieheriſchen Sinn befragt werden, wie in der großen Reformzeit Preußens, oder 
die Wirtſchaſt in ihre Grenzen verwieſen wird, wie heute ---, ſondern es meint nur, daß 
im Weſen des Erzieheriſchen ein Gehalt und eine Mächtigkeit mitgegeben iſt, die über 
die Behauptungen der anderen Uulturgebiete und insbeſondere über ihre Haltung gegen“ 
über dem Menſchen und ihre formende Wirkung genau ſo zu richten vermag, wie 
umgekehrt. 
Die Geſchichte der Pädagogik hat in dem Nachweis der ſchöpferiſchen Entfaltung dieſer 
pädagogiſchen Idee in Praxis und Theorie ihren innerſten Kern. Als Ratke ſid) in be- 
wußtem Gegenſaß zu den Theologen den Titel eines „Didacticus" zulegte, begann 
ſolches Selbſtbewußtſein des erzieheriſchen Verhaltens, und das Reſultat war die didak- 
tiſc)e Bewegung des 17. Jahrhunderts und die große Pädagogik des Comenius. Eine 
weitere entſcheidende Stufe dieſes Prozeſſes bedeutet dann Rouſſeaus Erkenntnis von 
dem Eigenwert der kindlichen Lebensſtufe, ihrem eigenen Recht, ihrer eigenen Exiſtenz-
	        

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Die Theorie Und Die Entwicklung Des Bildungswesens. Beltz, 1933.
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