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Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens (1)

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Bibliographic data

fullscreen: Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens (1)

Multivolume work

Persistent identifier:
12267815x
Title:
Handbuch der Pädagogik
Editor:
Nohl, Herman
Pallat, Ludwig
Document type:
Multivolume work
Publisher:
Beltz
Place of publication:
Langensalza
Language:
German
Collection:
Pädagogische Nachschlagewerke
Access restriction:
Siehe Bände

Volume

Persistent identifier:
127191879
Title:
Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens
Document type:
Volume
Publisher:
Beltz
Publication year:
1933
Place of publication:
Langensalza
Language:
German
Collection:
Pädagogische Nachschlagewerke
Link zum Katalog:
127191879
Fußnote/Bemerkung:
Systemvoraussetzung der Online-Ausg.: HTML; Zugriffsart: Internet und World Wide Web
Access restriction:
Siehe Bände

Lemma

Title:
Die Geschichte der katholischen Bildung
Author:
Behn, Siegfried
Document type:
Multivolume work
Structure type:
Lemma
Language:
German
Collection:
Pädagogische Nachschlagewerke
Link zum Katalog:
BBF0726667
Access restriction:
Siehe Bände

Contents

Table of contents

  • Handbuch der Pädagogik
  • Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens (1)
  • Titel
  • Inhaltsverzeichnis
  • Die Theorie der Bildung
  • Die Autonomie der Pädagogik
  • Geist und Haltung. Das Bildungsideal und die Volksbildung
  • Das Wesen des Erziehers
  • Die Bildsamkeit und der Bildungswille
  • Bildungsgehalte und Bildungsformen
  • Germanische Art
  • Die griechisch-römische Bildungswelt
  • Die Geschichte der katholischen Bildung
  • Das erzieherische Ethos protestantischen Christentums und die Wandlungen seines begrifflichen Ausdrucks
  • Die Pädagogik der Aufklärung und des deutschen Idealismus
  • Die pädagogische Bewegung in Deutschland
  • Die Entwicklung der Bildungsorganisation und ihr gegenwärtiger Zustand in Deutschland
  • Namenverzeichnis

Full text

164 Die Geſchichte der katholiſchen Bildung 
 
gute und vollkommene Menſd), die Rhetorenſchule Schule der Weisheit. An ein und 
derſelben Univerſität verkündete mindeſtens je ein Profeſſor den gerechten Menſchen 
Platons, die hochgemute Seele des Ariſtoteles, den gleichmütigen Weiſen der Stoa, 
den liebenswürdigen Lebensfünſtler des Epikuräismus, ſchließlich no den innerlichen 
Myſtiker Plotins. Die ſcharfen Beobachter der ſkeptiſchen Schule reizt dies nicht wenig 
zum Spott; ſie ſuchen ihre Weisheit in der Urteilsenthaltſamkeit. (Mancher Kirhen- 
vater hat ihrer Kritik nicht Unrecht gegeben.) So bleibt als Erziehungsziel nur die vir- 
tuoſe Sormgewandtheit, die mit glyichmütiger Liebenswürdigkeit jeder Wertung inner- 
lich „gerecht“ wird. Bedarf und Erfolg entſcheiden über das jeweils und widerruflic 
gewählte Ziel. Dies helleniſtiſche Bildungsideal hat eine theoretiſche, eine äſthetiſche 
und eine praktiſche Seite. Es iſt nicht ſo ſehr der ſchwerfällige Gelehrte (doctrina eru- 
dituz), als vielmehr der ſchlagfertige Hodgebildete (liberalibus artibus excultus) 
der bereit iſt, ſein wertvolles Wiſſen zu weiten. Es iſt der liebenswürdige Edelmann, 
empfänglich für alle Schönheit der Kunſt und von gewinnenden Umgangsformen (ur- 
banus). Cs iſt der gewandte Beherrſcher aller geſellſchaftlichen Anſtandsgebote (der 
politiore elegantia ornatus). Verloren gegangen iſt dieſer Bildung der eigentliche Ge- 
halt der antiken Hhumanitas, der hochgeſinnte und rehtſchaffene Mann (conformatus 
in emendatos mores). Die ethiſd)e Willenserziehung, die römiſche Genialität der Tugend 
iſt der bloßen Ausbildung des erfolgreichen politiſchen und geſellſchaftlichen Strebers, 
der instructio und institutio oratoris gewichen. Uiemals verlegen um tauſend Mittel- 
<hen und einige Kunſtſtüdden gerät dieſe Bildung doh, befragt um Sinn und Ziel, um 
Idee und Wert, in eine ihr ſchließlid) tötliche Verlegenheit, Ihr ſetzt die katholiſche 
Pädagogik ein erhabenes Ethos und ein vollkommenes und anſchauliches Vorbild ſchroff 
entgegen. 
Jeſus Chriſtus iſt viel mehr als nur der Paidagogos ; aber er iſt aud) der unumſchränkte 
Meiſter der katholiſchen Erziehung. Er iſt der Lehrer und das Vorbild, der Mittler des 
Zieles und der Wegweiſer. Der Nazarener vollendet alles Geſetz, alſo erfüllt er aud) 
die erzieheriſchen Ideale. Die Seelen, welche er ſucht und erlöſt, ſind kraft ſeines Wortes 
von unverlierbarem Wert, die Perſönlichkeiten, deren Gaben frei zu entfalten er gebietet, 
auch nad) dem Leib zur Derklärung berufen. Dieſe individualen und ſubjektiven Per- 
ſönlichkeiten in ihrer feinſten und edelſten Eigenart, ja in ihrer myſtiſchen Einſamkeit, 
ſind durch ihn (wie nie ſonſt denkbar) zu einer myſtiſchen Gemeinſchaft verbunden, zu 
einer ehten Gemeinſchaft von der lezten Innigkeit; ihre Speiſe iſt ſein euchariſtiſcher 
Ceib, ſie ſelbſt (die Kirche) heißt ſein muſtiſcher Leib. Die Perſönlichkeit, in der Freiheit 
ihrer Liebe5wahl, ſtellt ſid) unter das tiefausgelegte Geſetz. Kein Jota von der ſtrengen, 
kriſtallenen, objektiven Norm geht verloren, in überirdiſchem Lichte leuchten die Sterne 
göttlicher und natürlicher Tugenden. Strenges Richtwort verdammt die Sünde. Über 
kein ſegnendes Wort preiſt den ſelbſtgerechten Tugendphiliſter; alle erbarmende und 
geduldige Liebe, alle immerwieder bereite Vergebung, alle Lebensgemeinſchaft wird 
den Sündern geſchenkt. Der Sündeloſe ißt mit den Sündern (wie es Propheten und 
platoniſches Sibyllenwort vorherſagen). In der Läuterung des Geſees und der Er- 
barmung über den Sünder enthüllt ſich der Sinn der Geſchichte. Mit der Geſchichte ge- 
winnt erſt die ſoziale und politiſche Erziehung Sinn und Wert. Dieſe theophaniſche 
Begebenheit, deren Weſensgehalt die immer reichere Offenbarung des ſiegenden Logos 
iſt, vertreibt die Shre>den medhaniſtijſ) leeren Getriebes und wird ſelbſt objektives Werk 
ſubjektiver Perſönlichkeiten. Mit ſolcher Klarwerdung des Wertes fällt auch die meta-
	        

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Die Theorie Und Die Entwicklung Des Bildungswesens. Beltz, 1933.
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