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Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens (1)

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Bibliographic data

fullscreen: Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens (1)

Multivolume work

Persistent identifier:
12267815x
Title:
Handbuch der Pädagogik
Editor:
Nohl, Herman
Pallat, Ludwig
Document type:
Multivolume work
Publisher:
Beltz
Place of publication:
Langensalza
Language:
German
Collection:
Pädagogische Nachschlagewerke
Access restriction:
Siehe Bände

Volume

Persistent identifier:
127191879
Title:
Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens
Document type:
Volume
Publisher:
Beltz
Publication year:
1933
Place of publication:
Langensalza
Language:
German
Collection:
Pädagogische Nachschlagewerke
Link zum Katalog:
127191879
Fußnote/Bemerkung:
Systemvoraussetzung der Online-Ausg.: HTML; Zugriffsart: Internet und World Wide Web
Access restriction:
Siehe Bände

Lemma

Title:
Die Geschichte der katholischen Bildung
Author:
Behn, Siegfried
Document type:
Multivolume work
Structure type:
Lemma
Language:
German
Collection:
Pädagogische Nachschlagewerke
Link zum Katalog:
BBF0726667
Access restriction:
Siehe Bände

Contents

Table of contents

  • Handbuch der Pädagogik
  • Die Theorie und die Entwicklung des Bildungswesens (1)
  • Titel
  • Inhaltsverzeichnis
  • Die Theorie der Bildung
  • Die Autonomie der Pädagogik
  • Geist und Haltung. Das Bildungsideal und die Volksbildung
  • Das Wesen des Erziehers
  • Die Bildsamkeit und der Bildungswille
  • Bildungsgehalte und Bildungsformen
  • Germanische Art
  • Die griechisch-römische Bildungswelt
  • Die Geschichte der katholischen Bildung
  • Das erzieherische Ethos protestantischen Christentums und die Wandlungen seines begrifflichen Ausdrucks
  • Die Pädagogik der Aufklärung und des deutschen Idealismus
  • Die pädagogische Bewegung in Deutschland
  • Die Entwicklung der Bildungsorganisation und ihr gegenwärtiger Zustand in Deutschland
  • Namenverzeichnis

Full text

Die Geſchichte der katholiſchen Bildung 
D' Geſchichte der katholiſchen Bildung ſchreiben, heißt zugleich) von etwas ſehr Gegen- 
wärtigem berichten. Denn nirgendwo wird der Weſensgehalt vergangenen Er- 
eigniſſes ſo getreu (ja myſtiſch) bewahrt wie im Geiſtesleben der allgemeinen Kirche. 
Nirgendwo wird der Wahrheitsgehalt einer Bildungstheorie ſo liebreich behütet, wie 
dort wo Überlieferung erhält, was nur erhalten bereichert werden kann. So hod) die 
katholiſche Erziehung auc den Wert der einzelnen und eigenartigen Perſönlichkeit 
ſchätzt, nirgendwann beanſprucht der katholiſche Pädagoge ein eiferſüchtig verteidigtes 
geiſtiges Cigentum an immer neuen und immer verwidelteren Kunſtgriffen. Die Wahr- 
heit pädagogiſcher Erkenntnis gilt da mehr als die Originalität geiſtreicher Einfälle. 
Cin ſolc;er Rommunismus der Liebe zum geiſtigen Eigentum verbietet es, über den 
Zufällen der gelegentlihen Meinungsverſchiedenheit und der ängſtlichen Suche 
nad) Schulen und Abhängigkeiten die Erforſ<ung der weſentlicen Lehre und 
Praxis zu vergeſſen. Pſychologiſtiſch wie die Pädagogik dieſer flüchtigen Tage (vielfach 
nod) wider Willen oder Wiſſen) zu denken fortfährt, erwartet ſie unwillkürlich auch in 
der Geſchichte der katholiſchen Bildung überwiegend von den Mitteln und Wegen der 
Erziehung zu vernehmen. Indeſſen begegnet anderes Ereignis: Die tiefeingreifende und 
gründlich erſchütternde Wirkſamkeit betrahteter Idee, erkannten Wertes, in menſchlid) 
klaren Dorbildgeſtalten dargelebten Zieles bereitet die heilſam erlöſende Wandlung 
durd) das geglaubte Geheimnis und die geſpendeten Gnaden vor. Angeſichts ſo troſt- 
reichen Beiſtandes wird von der Erziehung nicht alles Unmögliche verlangt. Katholiſche 
Pädagogik würdigt unbefangen die unausgleichbaren Unterſchiede der natürlichen Be- 
gabungen und Ausſichten. Sie erforſcht ſie, ſie regt an, ſie arbeitet vor, ſie mahnt und 
hilft, wiſſend, dies alles ſei Gärtnerarbeit, verloren ohne die Sonne und den Regen des 
Himmels, Uns mangelt Gewalt über die Geratenheit der Keime faſt ganz, den Boden 
der Umgebung können wir (nicht allzuſehr) verbeſſern, auserleſene Nahrung über das 
Heilsnotwendige hinaus können wir nur wenigen bieten, nicht alle wuchernden Triebe 
laſſen ſid) ſchneiden, nicht alles Unkraut tilgen. Wirklichkeitsnah genug iſt die katholiſche 
Pädagogik zu ſo aufrichtiger Reſignation. Eben deswegen verſchüttet ſie nicht leichtherzig 
die Quellen heilkräftigen Segens; ſie gönnt den myſtiſchen Troſt und das überirdiſche 
Licht. Wenige gewaltige Ideen, klare und entſchieden unerſhütterliche Normen, glaubens- 
willigen Herzen überzeugend gepredigt, erziehen geläuterte Menſchen zu furchtloſer 
Verantwortungsfreudigkeit ebenſo wie zu vergebender Liebesbereitſchaft, -- mehr als 
aller feinſinnige &nthropologismus. 
Anthropologiſtiſch war die heidniſche Bildung, als die Zeiten für das Chriſtentum er- 
füllt waren. Die lykurgiſchen und ſoloniſc<en Tafeln der allgemein verpflichtenden 
Sitte waren unter den händen verſtändnisloſer Sophiſten zerbrochen. Die fromme Re- 
flexion des ehrfurchtbewahrenden Sokrates hatte nicht verhindern können, daß fünf 
große Schulen nebeneinander nac) dem IJdeal der Weisheit ſtrebten, verſchiedenen 
Zieles und verſchiedenen Weges. Was gut und ſchön ſei, war ſo höchſt zweifelhaft ge- 
worden. Idee, Wert und Ziel waren nur nod) Gegenſtand ſcharfſinniger und erfolg- 
reicher Rede, Inhalte glänzender Zitate mehr als geltender Gebote. Der Rhetoxr iſt der 
11*
	        

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Die Theorie Und Die Entwicklung Des Bildungswesens. Beltz, 1933.
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